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Cakile maritima Scop.
  synonym: Bunias cakile L.
                 Cakile cakile (L.) H. Karst.
                 Cakile pinnatifida Stokes
Europäischer Meersenf, Brassicaceae - Kreuzblütler
Sommerblüher, (III–)VI–IX(–XI), 10–50 cm hoch, (immer-) sommergrün, ein-, mehrjährig

Der Europäische Meersenf tritt in Mitteleuropa an den Küsten zerstreut auf  und besiedelt die maritimen Sande an der Meerseite der Dünen. Sein Verbreitungsgebiet ist europäisch. In Nord- und Mittelamerika ist er eingebürgert. Da er einjährig ist, sind die Standorte oft unstet. An den süd- und westeuropäischen Küsten ist der Europäische Meersenf häufiger. Dort überdauern die Pflanzen oft den Winter und sind mehrjährig, während sie in kälteren Regionen meist nur einjährig sind.

Als Anpassung an den halophilen Lebensraum haben die Pflanzen fleischige Blätter entwickelt, die 1–2-fach gefiedert sind. Wie für Kreuzblütler typisch sind die Blüten 4-zählig, weiß, rosafarben oder lila. Die Früchte sitzen an kurzen dicken Stielen, sind fast rechtwinklig abstehend und 2-gliedrig.

In den mobilen Sanden der Spülsäume und vordersten Dünenreihen (Primärdünen) spielt Cakile maritima eine wichtige Rolle in der Flugsandbindung und damit bei der Küstenformung. Sie ist neben den Gräsern eine der wichtigsten Pflanzen für die Dünenbildung und mithin für die Topographie der meerseitigen Küsten. Früher wurde die Pflanze als Gewürz-Zugabe in Salaten verwendet, da die frischeren Blätter einen schärflichen, senfartigen Geschmack haben. Diese Tradition hat sich weitgehend verloren.


Abb. 1 Mehrjährige Pflanze der Cakile maritima am Praia do Guincho, Portugal, 21.10.2009, 14 m, 38° 44' 11 N, 09° 28' 10 O Abb. 2 Sämlinge von Cakile maritima, Isla Canela, Spanien, 02.11.2013, 2 m, 37° 10' 42 N, 07° 20' 53 O

Abb. 3 Cakile maritima in den Primärdünen von Langeoog, 10.08.2011, 0 m, 53° 44' 37 N, 07° 27' 57 O Abb. 4 Leicht rosafarbene Blüten der Cakile maritima am Strand des Torre Salinas bei Muravera, Sardinien, 12.10.2016, 1 m, 39° 22' 03 N, 09° 35' 53 O

Abb. 5 Salsola kali hinten links und Cakile maritima vorne rechts, Langeoog, 10.08.2011, 2 m, 53° 44' 52 N, 07° 28' 17 O Abb. 6 Bestand der Cakile maritima am Strand bei Fregenae, Rom, Italien, 02.02.2019, 2m, 41° 52' 08 N, 12° 10' 57 O

Abb. 7 Cakile maritima an der meerseitigen Dünenkante, Langeoog, 15.08.2011, 2 m, 53° 45' 26 N, 07° 34' 43 O Abb. 8 Cakile maritima als effektiver Sandfänger in den mobilen Sanden der Primärdünen, Langeoog, 11.08.2011, 2 m, 53° 45' 24 N, 07° 36' 01 O

Abb. 9 Cakile maritima in Argelès Plage, Frankreich, 07.10.2006, 0 m, 42° 34' 17 N, 03° 02' 43 O Abb. 10 Früchte von Cakile maritima, Isla Canela, Spanien, 02.11.2013, 2 m, 37° 10' 43 N, 07° 20' 50 O

Abb. 11 Cakile maritima am Spülsaum der Isla Canela, Spanien, 02.11.2013, 1 m, 37° 10' 40 N, 07° 20' 44 O Abb. 12 Cakile maritima am Strand Papratino auf der Halbinsel Peljesac in Kroatien, 09.10.2015, 0 m, 42° 49' 00 N, 17° 40' 30 O

Abb. 13 Rosafarbene Blüten der Cakile maritima am Strand bei Fregenae, Rom, Italien, 02.02.2019, 2m, 41° 52' 08 N, 12° 10' 57 O


Die Diagnose der Cakile maritima ist recht einfach. Am Naturstandort ist sie unverkennbar und unterscheidet sich von dem entfernt ähnlichen Gewöhnlichen Kali-Salzkraut, Salsola kali L., durch die nicht stachelspitzigen Blätter.

Nicht gesichert ist die Ableitung des Gattungsnamens Cakile Mill. Trotz der phonetischen Ähnlichkeit mit arab. "qaqile" (= Kardamom), dürfte diese Ableitung eher fraglich sein. Wahrscheinlicher liegt ein Anagramm durch J. Bauhin vor (Historia plantarum universalis II, 1650), der Cakile erstmalig benutzte und wohl auf "Alkali" abzielt, siehe auch Salsola kali im selben Lebensraum. Das Epitheton maritima stammt von lat. "maritimus" (= Meer) und bezieht sich auf den Lebensraum.

Cakile maritima sind nicht einfach zu kultivierende Pflanzen, die eine halophile Umgebung brauchen und meist einjährig sind. Für experimentierfreudige Gärtner aber sicherlich eine Herausforderung.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer. und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2021: Cakile maritima. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/cakile-maritima.html am Tg.Mo.Jahr.

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