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Salsola kali L.
   Synonym: Kali soda Moench
   einschließlich: Kali tragus (L.) Scop., Salsola kali ssp. ruthenica (Iljin) Soo
Gewöhnliches Kali-Salzkraut, Amaranthaceae - Fuchsschwanzgewächse
                                           (Chenopodiaceae - Gänsefußgewächse)
Hochsommerblüher, VI–X, 10–100 cm hoch, sommergrün, einjährig

Das Gewöhnliche Kali-Salzkraut ist in Mitteleuropa selten und besiedelt die sandigen Spülsäume der Küsten und unbeständig sandig-kiesige Abschnitte der großen Flüsse (beispielsweise Niederrhein) oder offene Ruderalstellen, salzhaltige Böden oder Trockenrasen. Die Pflanzen sind niederliegend oder aufsteigend, von unten an verzweigt, fleischig sukkulent und tragen typischerweise stachelspitzige Blätter. Meist ist das Gewöhnliche Kali-Salzkraut borstig behaart und graugrün bis rötlich. Die Blüten stehen zu 1–3 in den Blattachseln und sind nur wenig dekorativ. Wie für die Gänsefußgewächse typisch sind die Blüten nicht in Kron- und Kelchblätter unterteilbar, sondern haben 5 Perigonblätter, da sich Kelch- und Kronblätter nicht unterscheiden lassen. Die Blütenhülle ist häutig unscheinbar und die kleinen Staubbeutel ragen deutlich hervor. Später bilden sich Früchte, über die sich Perigonzipfel biegen.

Zum Winter hin sterben die Pflanzen, brechen oft als Ganzes oberirisch ab und werden vom Wind fortgetragen. Dabei werden noch an der vertrockneten Pflanze verbleibende Samen verteilt, Steppenroller-Prinzip (Anemochorie). Die Früchte sind geflügelt und werden nicht nur durch den Wind, sondern auch Wasser und Tiere, beziehungsweise Menschen verbreitet.

Salsola kali ist eine schwierige Art, von der zahlreiche synoyme Bezeichnungen existieren. Häufig findet sich beispielsweise die Unterteilung der S. kali in zwei Unterarten, das Küstensalzkraut ssp. kali und das Steppen-Salzkraut ssp. tragus L. im Binnenland. Letztere Unterart ist so variabel, dass es wiederum eine ganze Reihe von Synonymen gibt:
Kali-Salzkraut, Kali tragus
Ruthenisches Salzkraut, Salsola kali ssp. ruthenica
Die ssp. kali ist eher niederliegend wachsend, während die ssp. tragus aufsteigend oder aufrecht ist. Die Perigonzipfel über der Frucht sind bei der ssp. kali dornartig aufgerichtet, während sie bei der ssp. tragus zerknittert oder nur 1–2 Zipfel dornartig über der Frucht gebogen sind.

In der Küche kann S. kali als Salatbeilage oder blanchiert als Gemüse gegessen werden, es sollten wegen der Inhaltsstoffe jedoch keine größeren Mengen sein.


Abb. 1 Salsola kali am Spülsaum der Ilha Tavira, Portugal, 12.10.2010, 0 m, 37° 05' 41 N, 07° 38' 46 O Abb. 2 Rotfarbige Früchte der Salsola kali, Strand vor Caparica, Portugal, 19.10.2009, 7 m, 38° 38' 53 N, 09° 14' 31 O

Abb. 3 Pflanze der Salsola kali ssp. tragus, die typischerweise aufrecht wächst. Brachfläche oberhalb der Cala Caterina, Villasimius, Sardinien, 22.10.2016, 8 m, 39° 06' 24 N, 09° 30' 39 O Abb. 4 Salsola kali in den Weißdünen auf Langeoog, 04.08.2010, 0 m, 53° 43' 40 N, 07° 27' 56 O

Abb. 5 Stachelspitzige Blätter und 1 Blüte der Salsola kali, wie Abb. 4, Langeoog, 04.08.2010, 0 m, 53° 43' 40 N, 07° 27' 56 O Abb. 6 Salsola kali am Rande des Marismas der Isla Canela, Spanien, 20.10.2010, 1 m, 37° 10' 30 N, 07° 23' 12 O


Die Diagnose der Salsola kali ist recht einfach. Am Naturstandort ist sie unverkennbar und unterscheidet sich von dem entfernt ähnlichen Europäischen Meersenf, Cakile maritima Scop., und dem Wurmförmigen Salzkraut, Salsola vermiculata L., durch die stachelspitzigen Blätter.

Der Gattungsname Salsola L. leistet sich ab von ital. "salso" (= salzig). Das Suffix -la ist die Verkleinerungsform (Deminutiv). Linné zielte damit auf den halophilen Lebensraum und die ehemalige Nutzung der S. kali zur Herstellung von Pottasche (Kaliumkarbonat) und Wasch-Soda (Natriumkarbonat) ab. Salsola kali enthält nämlich hohe Mengen von Alkalisalzen mit Kalium und Natrium. Hierauf bezieht sich auch das Epitheton kali von fr. "kali" (= Pottasche).

Abb. 7 Geflügelte Früchte der Salsola kali am Strand beim Torre Salinas, Muravera, Sardinien, 12.10.2016, 4 m, 39° 22' 02 N, 09° 35' 58 O Abb. 8 Rötliche und grüne Salsola kali, Isla Canela, Spanien, 19.10.2010, 1 m, 37° 10' 29 N, 07° 21' 54 O

Abb. 9 Salsola kali in den Graudünen auf Langeoog, 21.07.2009, 5 m, 53° 45' 16 N, 07° 29' 10 O Abb. 10 Salsola kali oberhalb eines Strandes auf der Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 09.10.2015, 4 m, 42° 39' 52 N, 18° 04' 14 O

Abb. 11 Früchte der Salsola kali ssp. tragus, über die typischerweise die Perigonzipfel zerknittert liegen. Brachfläche oberhalb der Cala Caterina, Villasimius, Sardinien, 22.10.2016, 8 m, 39° 06' 24 N, 09° 30' 39 O Abb. 12 Jungpflanze der Salsola kali ssp. tragus auf einer Brachfläche oberhalb der Cala Caterina, Villasimius, Sardinien, 22.10.2016, 8 m, 39° 06' 24 N, 09° 30' 39 O


Salsola kali sind nicht einfach zu kultivierende Pflanzen, die eine halophile Umgebung brauchen und meist einjährig sind; für experimentierfreudige Gärtner aber sicherlich eine Herausforderung.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer. und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Salsola kali. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/salsola-kali.html am Tg.Mo.Jahr.

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