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Erigeron acris L. s. str.
  synonym: Trimorpha acris (L.) Gray
Scharfes Berufkraut, Asteraceae (= Compositae) - Korbblütler
Frühsommerblüher, V–VII, 10–60 cm hoch, immergrün, ein-, zweijährig, kurzlebig

Das Scharfe Berufkraut tritt in Mitteleuropa verbreitet bis zerstreut auf. Das Verbreitungsgebiet ist zirkumpolar. Bevorzugt siedeln die Pflanzen auf sonnigen und trockenen Rasen, in Schotterfluren und Ruderalstandorten an Wegrändern und Bahnanlagen. Es sind immergrüne Pflanzen, die oft kurzlebig sind, manchmal ein- oder zweijährig. Der Stängel wächst aufrecht, ist rund, dicht behaart und verzweigt. Die unteren Stängelblätter sind lanzettlich, ganzrandig, oft mit gewelltem Rand, beidseits behaart und durch die kürzeren Stängelinternodien wirken sie gedrängt. In den Blattachseln finden sich meist keine sterilen Kurztriebe. Die Blütenstände sind Rispen aus 20–40 Blütenköpfchen, die 5–12 mm im Durchmesser sind, mit dicht kraushaarigen Stielen und Hüllen. Oft sind mehrere Körbchen an einem verzweigten Rispenast zu entdecken. Meist finden sich keine linealen Hochblätter unter den Körbchen. Die Zungenblüten stehen aufrecht, sind oft lilafarbig und nur wenig länger als die Röhrenblüten. Später bilden sich Früchte mit "Fallschirm" (Pappus).

Von Erigeron acris sind - nicht nur in Mitteleuropa - zahlreiche infraspezifische Taxa, als auch Abspaltungen beschrieben worden. Dem wird hier nicht gefolgt, da die systemische Unsicherheit aus teilweise nicht eindeutig zuordenbaren Merkmalskomplexen herrührt. Lediglich E. acris ssp. serotinus (Weihe) Greuter wird hier besprochen, da es sich um eine spätblühende Sippe handelt, die gleichwohl in den makroskopischen Merkmalen oft mit der Art übereinstimmt.


Abb. 1 Blütenköpfchen von Erigeron acris ohne lineale Hochblätter, Trockenstandort auf einem gepflasterten Deich an der Westküste von Langeoog, 27.07.2017, 2 m, 53° 43' 57 N, 07° 28' 05 O Abb. 2 Untere, behaarte, lanzettliche Laubblätter von Erigeron acris, Trockenstandort auf einem gepflasterten Deich an der Westküste von Langeoog, 27.07.2017, 2 m, 53° 43' 58 N, 07° 28' 03 O

Abb. 3 Gesamtblütenstand des Erigeron acris, hier traubig ohne verzweigte Seitenäste. Spätblühender Morphotyp, eher dem E. acris ssp. serotinus zugehörig. Deich an der Westküste von Langeoog, 27.07.2017, 2 m, 53° 43' 57 N, 07° 28' 05 O Abb. 4 Pflanze des Erigeron acris mit rispigem Blütenstand mit Endköpfchen und verzweigten Seitenästen mit mehreren Blütenköpfchen. Frühblühender Morphotyp. Gepflasterter Deich an der Westküste von Langeoog, 27.07.2017, 2 m, 53° 43' 59 N, 07° 28' 04 O

Abb. 5 Gesamtblüten- und -fruchtstand des Erigeron acris mit früh- und spätblühenden Sprossachsen, sowie traubigen und rispigen, verzweigten und unverzweigten Seitenästen im Blütenstand. Gepflasterter Deich an der Westküste von Langeoog, 27.07.2017, 3 m, 53° 44' 01 N, 07° 28' 03 O Abb. 6 Fruchtköpfchen eines frühblühenden Erigeron acris. Gepflasterter Deich an der Westküste von Langeoog, 27.07.2017, 2 m, 53° 43' 59 N, 07° 28' 04 O


Der Gattungsname Erigeron L. (Berufkräuter) leitet sich ab von gr. "eri" (= früh) und gr. "geron" (= Greis) und bezieht sich auf die grauen, haarigen Pappus-Früchte. Pappus ist etymologisch ebenfalls von gr. "pappos" (= Großvater, graue Haare) ableitbar und bezieht sich im botanischen Sinne auf die "Fallschirme" der "Pustefrüchte", also die Anhängsel an Früchten, die hier der Windverbreitung dienen. Ein Motiv welches auf den weißlich Pappus, der mit dem weißen Kopfhaar alter Männer verglichen wurde, beruht und analog bei der Gattung Senecio L. vorkommt. Der im Deutschen genutzte Begriff Berufkräuter hat seinen Ursprung in der heilkundlichen Anwendung verschiedener Arten und Gattungen, nicht nur des Erigeron. Durch Heilung wurden Krankheiten auf die Pflanze "übertragen" = "berufen". Das Art-Epithetin acris leitet sich ab von lat. "acris" (= scharf) und wurde schon vorlinnäisch für die Art genutzt; womöglich ließ Linné es als Anagramm nach seiner Herkunftsangabe "Habitat in Europae apricis, siccis" stehen?

Erigeron acris sind unscheinbare Pflanzen, die oft übersehen werden und daher kaum als gartenwerter Bewohner wahrgenommen werden. Erst bei näherer Betrachtung erschließt sich die Ästhetik der Pflanzen. Offene Stellen im Garten, im Alpinum, Yuccabeet oder Steingarten wären passende Pflanzorte.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Erigeron acris. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/erigeron-acris.html am Tg.Mo.Jahr.

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