Startseite

Erigeron muralis Lapeyr.
   synonym: E. acris ssp. serotinus (Weihe) Greuter
   oder E. acris L. s. l.
Mauer-Berufkraut, Asteraceae (= Compositae) - Korbblütler
Hochsommerblüher, VI–IX, 10–60 cm hoch, immergrün, ein-, zweijährig, kurzlebig

Das Mauer-Berufkraut wird in Mitteleuropa als selten angegeben, was wohl eher an der systemischen Unsicherheit liegt und die Pflanzen in den weit verbreiteten Komplex des Erigeron acris eingeteilt werden, mithin wohl eine Verbreitung wie die die Art haben. Bevorzugt besiedelt E. muralis Ruderalflächen, Schotter- und Felsstandorte, Steinbrüche oder Bahnanlagen. Es sind immergrüne Pflanzen, die oft kurzlebig sind, manchmal ein- oder zweijährig. Der Stängel ist aufrecht, rund, dicht behaart und verzweigt. Die unteren Stängelblätter sind lanzettlich, ganzrandig, oft mit gewelltem Rand und durch die kürzeren Stängelinternodien wirken sie gedrängt. Obere Stängelblätter sind gedreht und haben in den Blattachseln keine sterilen Kurztriebe. Die Blütenstände sind Rispen aus 20–40 Blütenköpfchen, die 5–12 mm im Durchmesser sind, mit dicht kraushaarigen Stielen und Hüllen. Es ist meist nur 1 Körbchen je Rispenast zu entdecken. Meist finden sich 1–2 lineale Hochblätter unter den Körbchen. Die Zungenblüten stehen aufrecht und sind nur wenig länger als die Röhrenblüten. Später bilden sich Früchte mit "Fallschirm" (Pappus).

Erigeron muralis wird hier aus dem Komplex des E. acris getrennt beschrieben, da es sich meist um eine spätblühende Sippe handelt, auch wenn manche makroskopischen Merkmale variabel sind und durchaus mit der Art übereinstimmen, mithin eine systemische Unsicherheit vorliegt.


Abb. 1 Blütenstand des Erigeron muralis, Steinbruch Hahn in Aachen-Hahn, 01.08.2015, 265 m, 50° 42' 25 N, 06° 11' 26 O Abb. 2 Blütenstand des Erigeron muralis mit aufrechten, an der Spitze lilafarbigen Zungenblüten, Steinbruch Hahn in Aachen-Hahn, 01.08.2015, 266 m, 50° 42' 26 N, 06° 11' 25 O

Abb. 3 Traubiger Gesamtblütenstand eines Erigeron muralis ohne verzweigte Seitenäste und ohne Hochblätter. Deich an der Westküste von Langeoog, 27.07.2017, 2 m, 53° 43' 57 N, 07° 28' 05 O


Der Gattungsname Erigeron L. (Berufkräuter) leitet sich ab von gr. "eri" (= früh) und gr. "geron" (= Greis) und bezieht sich auf die grauen, haarigen Pappus-Früchte. Pappus ist etymologisch ebenfalls von gr. "pappos" (= Großvater, graue Haare) ableitbar und bezieht sich im botanischen Sinne auf die "Fallschirme" der "Pustefrüchte", also die Anhängsel an Früchten, die hier der Windverbreitung dienen. Ein Motiv welches auf den weißlich Pappus, der mit dem weißen Kopfhaar alter Männer verglichen wurde, beruht und analog bei der Gattung Senecio L. vorkommt. Der im Deutschen genutzte Begriff Berufkräuter hat seinen Ursprung in der heilkundlichen Anwendung verschiedener Arten und Gattungen, nicht nur des Erigeron. Durch Heilung wurden Krankheiten auf die Pflanze "übertragen" = "berufen". Das Art-Epithetin muralis leitet sich ab von lat. "muralis" (= Mauer) und beschreibt den häufigen Standort der Pflanzen auf Ruderalflächen.

Erigeron muralis sind unscheinbare Pflanzen, die oft übersehen werden und daher kaum als gartenwerter Bewohner wahrgenommen werden. Erst bei näherer Betrachtung erschließt sich die Ästhetik der Blütenstände mit ihrem interessanten Farbspektrum. Offene Stellen im Garten, im Alpinum, Yuccabeet oder Steingarten wären passende Pflanzorte.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Erigeron muralis. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/erigeron-muralis.html am Tg.Mo.Jahr.

© Tropengarten

info@tropengarten.de