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Jasione montana L.
Berg-Sandglöckchen, Campanulaceae - Glockenblumengewächse
Ende Frühsommerblüher, VII–XI, 20–60(–80) cm hoch, immergrün, ein- bis zweijährig, kurzlebig

Das Berg-Sandglöckchen tritt in Mitteleuropa relativ selten auf und bevorzugt offene Standorte wie die Graudünen der Küsten, kalkfreie bis saure Felsstandorte, Brachflächen, sandige Standorte oder Magerrasen auf durchlässigem Grund. Lediglich in den Dünen der nördlichen Inseln ist es noch relativ häufig anzutreffen, allerdings oft nur schwierig auszumachen, da die Pflanzen klein bleiben, meist niederliegend wachsen und unscheinbar sind. Gelegentlich sieht man aufsteigende Sprosse.

Trotz dass es sich um zierliche Pflanzen handelt, wurzeln sie sehr tief, bis 1 m, was man bei Pionierpflanzen oft beobachten kann. Berg-Sandglöckchen sind reich verzweigt, tragen nur im unteren Bereich längliche bis lanzettliche Blätter mit krausem Rand. Die Blütenstände werden 1,5–2,5 cm breit, bestehen aus zahlreichen hellblauen Einzelblüten und ähneln den Korbchenblütlern, gehören aber zu den Glockenblumengewächsen. Es ist jedoch nur mit der Lupe erkennbar, dass die Einzelblüten aus fünf langen, linealen Kronblättern bestehen, die am Grund zu einer kurzen, glockenförmigen Röhre verwachsen sind, was typisch für die Campanulaceae ist. Später bilden sich zahlreiche ovale, bräunliche Samen.


Abb. 1 Blütenstand einer Jasione montana "in der Endphase", Trockenwiese auf Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 12 N, 07° 32' 20 O Abb. 2 Blatt der Jasione montana mit kurzen Borsten, Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 13 N, 07° 32' 20 O

Abb. 3 Fruchtstand einer Jasione montana in den Graudünen auf Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 20 N, 07° 32' 21 O Abb. 4 Blüten der Jasione montana auf einer Trockenwiese auf Langeoog, 02.08.2010, 3 m, 53° 45' 15 N, 07° 30' 08 O

Abb. 5 Hübsche Jasione montana auf einer Deichwiese auf Wangerooge, 05.08.2013, 0 m, 53° 46' 45 N, 07° 51' 48 O Abb. 6 Spärlich behaarte Sprosse der Jasione montana im Naturpark De Meinweg, Niederlande, 20.08.2014, 47 m, 51° 09' 36 N, 06° 06' 03 O

Abb. 7 Blütenstand einer Jasione montana in einer Wiese im Naturpark De Meinweg, Niederlande, 20.08.2014, 52 m, 51° 10' 11 N, 06° 06' 57 O Abb. 8 Blüten mit reichlich Insektenbesuch bei Jasione montana, Deichwiese auf Wangerooge, 05.08.2013, 0 m, 53° 46' 45 N, 07° 51' 48 O

Abb. 9 Blütenstand einer Jasione montana im Herbst auf einer Trockenwiese in der Wahner Heide bei Troisdorf-Altenrath, 26.10.2014, 112 m, 50° 51' 35 N 07° 10' 53 O Abb. 10 Blütenstand einer Jasione montana im Sommer, Trockenwiese in der Wahner Heide bei Troisdorf-Altenrath, 26.10.2014, 114 m, 50° 51' 40 N 07° 10' 27O


Während der Blütezeit finden sich auf den Blütenköpfen zahlreiche Einzelblüten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Zuerst zeigen sich die langen, rosafarbenen Staubfäden, dann verlängern sich die Stempel und präsentieren schließlich die weißen Narben. Derart wird eine Selbstbestäubung der einzelnen Blüte verhindert.

Jasione montana ist sehr formenreich und manche Autoren unterscheiden Subspezies, die sich nach Höhe, sterilen Blattrosetten, niederliegendem Wuchs und Stängel-Anzahl unterscheiden.

Das Ausdauernde Sandglöckchen, Jasione laevis Lam., ist sehr ähnlich, bildet allerdings Ausläufer, verzweigt nur wenig am Stängel, die Blätter sind ganzrandig oder nur schwach gezähnt.


Abb. 11 Bestand der Jasione montana, Trockenwiese in der Wahner Heide bei Troisdorf-Altenrath, 30.06.2013, 114 m, 50° 51' 40 N 07° 10' 27O Abb. 12 Blütenstand von Jasione montana mit weißen Narben und rosafarbenen Staubfäden, Wahner Heide bei Troisdorf-Altenrath, 30.06.2013, 114 m, 50° 51' 40 N 07° 10' 27O

Abb. 13 Samen der Jasione montana, Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 12 N, 07° 32' 20 O Abb. 14 Jasione montana mit der Schwarzen Krähenbeere, Empetrum nigrum L., auf Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 15 N, 07° 30' 09 O

Abb. 15 Behaarte und verzweigte Sprossachse einer Jasione montana, Langeoog, 24.07.2014, 3 m, 53° 45' 12 N, 07° 32' 20 O Abb. 16 Zahlreiche Blütenköpfe von Jasione montana in den Graudünen auf Langeoog, 24.07.2014, 3 m, 53° 45' 20 N, 07° 32' 21 O

Abb. 17 Blütenköpfchen derJasione montana auf einem Weg im Esterweger Moor, 10.07.2015, 8 m, 53° 01' 07 N, 07° 38' 44 O

Der Gattungsname Jasione L. stammt von gr. "iasione" (= Zaunwinde?), eine etymologische Wurzel, die so nicht eindeutig ist. Das heute noch gebräuchliche ngr. "iasis" (= Heilung) spielt auf eine Heilpflanze an, kann aber so auch nicht stimmen, da die Sandglöckchen dafür wohl keine Verwendung fanden oder diese verloren ist. Es bleibt mithin unklar, welches Benennungsmotiv dem Gattungsnamen zugrunde liegt. Das Epitheton montana leitet sich von lat. "montanus" (= Berg-) ab und beschreibt den Standort der Art.

Jasione montana ist eine sehr dekorative, zierliche Sommerstaude für den warmen und sonnigen Standort im Steingarten oder dem Alpinum. Da es kurzlebige Pflanzen sind, sollte man für reichlich offene Bodenflächen sorgen, damit sich die Pflanzen aussäen können. Konkurrenzflora ist idealerweise nur wenig vorhanden und die Pflanzen lieben einen freien Standort, am besten im Vordergrund des Beetes, leicht sauer bis neutral und nicht zu trocken.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2015: Jasione montana. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/jasione-montana.html am Tg.Mo.Jahr.

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