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Jasione montana L.
Berg-Sandglöckchen, Berg-Jasione, Schafrapunzel, Campanulaceae - Glockenblumengewächse
Ende Frühsommerblüher, VI–XI, 10–60(–80) cm hoch, immergrün, ein- bis zweijährig, kurzlebig

Das Berg-Sandglöckchen tritt in Mitteleuropa verbreitet in den Sand- und Silikatgebieten auf, ansonsten ist es selten bis zerstreut. Das Verbreitungsgebiet ist europäisch; in Neuseeland und Amerika ist die Art eingebürgert. Bevorzugt siedelt es auf offenen Standorten wie den Graudünen der Küsten, kalkfreien bis sauren Felsstandorten, sandigen Standorten, Magerrasen auf durchlässigem Grund und Ruderalstandorten wie beispielsweise Brachflächen. In den Dünen der nördlichen Inseln ist es häufig in ungestörten Dünenflächen anzutreffen.

Die Pflanzen sind niederliegend bis aufsteigend, bilden keine Ausläufer und haben eine Pfahlwurzel, die bis 1 m Tiefe reichen, was die Anpassung an trockene Standorte und ihr Auftreten als Pionierpflanze erklärt. Berg-Sandglöckchen sind reich verzweigt, tragen nur im unteren Bereich längliche bis lanzettliche Blätter mit krausem Rand. Die Blütenstände werden 1,5–2,5 cm breit, bestehen aus zahlreichen hellblauen Einzelblüten und ähneln den Korbblütengewächsen, gehören aber zu den Glockenblumengewächsen. Mit der Lupe kann man erkennbar, dass die Einzelblüten aus 5 langen, linealen Kronblättern bestehen, die am Grund zu einer kurzen, glockenförmigen Röhre verwachsen sind, was typisch für die Campanulaceae ist. Später bilden sich zahlreiche ovale, bräunliche Samen.


Abb. 1 Zahlreiche Blütenköpfe von Jasione montana in den Graudünen auf Langeoog, 24.07.2014, 3 m, 53° 45' 20 N, 07° 32' 21 O Abb. 2 Blatt der Jasione montana mit kurzen Borsten, Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 13 N, 07° 32' 20 O

Abb. 3 Fruchtstand einer Jasione montana in den Graudünen auf Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 20 N, 07° 32' 21 O Abb. 4 Blüten der Jasione montana auf einem Halbtrockenrasen auf Langeoog, 02.08.2010, 3 m, 53° 45' 15 N, 07° 30' 08 O

Abb. 5 Hübsche Jasione montana auf einer Deichwiese auf Wangerooge, 05.08.2013, 0 m, 53° 46' 45 N, 07° 51' 48 O Abb. 6 Blütenköpfchen derJasione montana auf einem Weg im Esterweger Moor, 10.07.2015, 8 m, 53° 01' 07 N, 07° 38' 44 O

Abb. 7 Blütenstand einer Jasione montana in einer Wiese im Naturpark De Meinweg, Niederlande, 20.08.2014, 52 m, 51° 10' 11 N, 06° 06' 57 O Abb. 8 Jasione montana im trockenen Felsrasen auf dem Rotenfels, Rheinland-Pfalz, 23.06.2018, 291 m, 49° 49' 00 N, 07° 50' 08 O

Abb. 9 Blütenstand einer Jasione montana im Herbst auf einer Trockenwiese in der Wahner Heide bei Troisdorf-Altenrath, 26.10.2014, 112 m, 50° 51' 35 N 07° 10' 53 O Abb. 10 Spärlich behaarte Sprossachse einer Jasione montana an einer Böschung der Rheinbrohler Ley, 23.06.2018, 198 m, 50° 29' 03 N, 07° 20' 33 O


Während der Blütezeit finden sich auf den Blütenköpfen zahlreiche Einzelblüten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Zuerst zeigen sich die langen, rosafarbenen Staubfäden, dann verlängern sich die Stempel und präsentieren schließlich die weißen Narben. Derart wird eine Selbstbestäubung der einzelnen Blüte verhindert.

Jasione montana ist sehr formenreich und manche Autoren unterscheiden Subspezies, die sich nach Höhe, sterilen Blattrosetten, niederliegendem Wuchs und Stängel-Anzahl unterscheiden.

Das Ausdauernde Sandglöckchen, Jasione laevis Lam., ist sehr ähnlich, bildet allerdings Ausläufer, verzweigt nur wenig am Stängel, die Blätter sind ganzrandig oder nur schwach gezähnt.


Abb. 11 Bestand der Jasione montana, Trockenwiese in der Wahner Heide bei Troisdorf-Altenrath, 30.06.2013, 114 m, 50° 51' 40 N 07° 10' 27O Abb. 12 Blütenstand von Jasione montana mit weißen Narben und rosafarbenen Staubfäden, Wahner Heide bei Troisdorf-Altenrath, 30.06.2013, 114 m, 50° 51' 40 N 07° 10' 27O

Abb. 13 Samen der Jasione montana, Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 12 N, 07° 32' 20 O Abb. 14 Jasione montana mit der Schwarzen Krähenbeere, Empetrum nigrum L., auf Langeoog, 23.07.2014, 3 m, 53° 45' 15 N, 07° 30' 09 O

Abb. 15 Fruchtköpfchen von Jasione montana, Wiese an der Rheinbrohler Ley, 23.06.2018, 196 m, 50° 29' 03 N, 07° 20' 33 O


Der Gattungsname Jasione L. stammt von gr. "iasione" (= Zaunwinde?). Es bleibt unklar, welches Benennungsmotiv dem Gattungsnamen zugrunde liegt. Das Epitheton montana leitet sich von lat. "montanus" (= Berg-) ab und beschreibt den Standort der Art.

Jasione montana ist eine sehr dekorative, zierliche Sommerstaude für den warmen und sonnigen Standort im Steingarten oder dem Alpinum. Da es kurzlebige Pflanzen sind, sollte man für reichlich offene Bodenflächen sorgen, damit sich die Pflanzen aussäen können. Konkurrenzflora ist idealerweise nur wenig vorhanden und die Pflanzen lieben einen freien Standort, am besten im Vordergrund des Beetes, leicht sauer bis neutral.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Jasione montana. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/jasione-montana.html am Tg.Mo.Jahr.

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