Startseite 
Das Ewige Meer, ein Hochmoor in Ostfriesland
Als der größte Hochmoorsee Deutschlands ist das Ewige Meer sicherlich einen Besuch wert. Die flache Landschaft Ostfrieslands, der "einsame" See und die Stimmung im Hochmoor bieten schon eine ganz besondere Atmosphäre. Nahe der Stadt Aurich im Herzen Ostrfieslands gelegen, ist der See zudem gut erreichbar und mit einem Lehrpfad für Besucher erschlossen. Fährt man von Aurich Richtung Norden zum Ort Eversmeer, ist der Parkplatz zum Naturschutzgebiet linker Hand ausgeschildert. Von dort startet ein etwa 1,8 km langer Bohlenrundweg, der durch das Moor bis ans Ufer des Sees führt und gut die Atmosphäre der Landschaft des Hochmoors und des Ewigen Meers einfängt.

Hochmoore werden im Gegensatz zu Niedermooren fast ausschließlich nur durch Niederschläge versorgt. Beim Niedermoor entsteht die Wassersättigung hingegen durch Bodenwasser (Grundwasser und Zuflüsse) und Niederschläge. Durch Torfbildung wachsen Moore im Laufe der Zeit in die Höhe und können viele Meter dicke Schichten aufbauen. Am Ewigen Meer ist dieses Phänomen hervorragend zu sehen. Mittels Lehrschilder wird am Bohlenweg plastisch erklärt, wie das Hochmoor enstand und heute deutlich über dem Niveau des.umgebenden Landes liegt.


Abb. 1 Uferzone des Ewigen Meers, Moorbereich mit überwiegendem Grasbewuchs


Abb. 2 Uferzone des Ewigen Meers mit Salix cinerea


Abb. 3 Ostufer mit lichtem Wald aus vorwiegend Betulae pubescens. Zwischen den Bulten erodiert der See langsam die Moorfläche.


Es wird angenommen, dass das Ewige Meer sich vor etwa 8000 Jahren bildete. Im wachsenden Hochmoor entstanden seinerzeit wassergefüllte Mulden, die sich schließlich bis zum heutigen Seebecken ausweiteten. Auch gegenwärtig noch vergrößert sich die Seefläche durch den Wellengang ständig. Am Bohlenweg ist die Abbruchkante sehr gut erkennbar. Trotz Maßnahmen zur Uferbefestigung schreitet die natürliche Erosion der Torfschicht voran und bildet neue Wasserflächen.

Durch die flache Topographie der norddeutschen Tieflands kann der Wind zu kräftigem Wellengang führen, was die schnelle Entwicklung des Sees erklärt. Es ist anzunehmen, dass der zur Zeit etwa 90 ha große See sich daher weiter langsam vergößern wird, zumal der Torfkörper nicht sehr mächtig ist (etwa 1 m) und kleinere Moorseen (Mooraugen) oder Kolke möglicherweise sich mit dem Hauptsee verbinden werden.



Abb. 4 Uferzone mit Resten der Moorvegetation auf einer Holzpalisade, die ursprüngliche als Uferbefestigung diente


Abb. 5 Abbruchkante des Ewigen Meers mit abgelösten und schwimmenden Torfballen


Abb. 6 Ehemalige Uferpalisaden mit Moorvegetation, Gräser und Calluna vulgaris



Abb. 7 Sumpfiger Bereich am Ewigen Meer mit Gräsern und typischer, lichter Strauchschicht aus Moorbirke, Faulbaum und Grau-Weide


Trotz der Größe des Ewigen Meers ist der See nicht sehr tief, etwa 3 m. Im braunen, durch Huminsäuren sauren Wasser gibt es nur wenig Leben. Die umgebende Moorlandschaft jedoch bietet eine reichhaltige Flora und Fauna, für ansässige Tiere als auch Zugvögel. Zwar ist der Bohlenweg selber aus botanischer Sicht wenig eindrucksvoll, die im Moor wachsenden Glocken- (Erica tetralix L.) und Besenheiden (Calluna vulgaris (L.) Hull.) kommen nur sehr sporadisch entlang des Weges vor. Lediglich Wollgräser (wahrscheinlich das schmalblättrige Wollgras, Eriophorum angustifolium Honck.) treten in etwas größeren Beständen auf.

Die für das Moor angegebenen Rauschbeere (Vaccinium uliginosum L.) und die Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccus L.) sind am Bohlenweg gar nicht vorhanden. Auch die für den Besucher sehr interessanten Arten wie Rosmarinheide (Andromeda polifolia L.), Moor-Ährenlilie (Narthecium ossifragum (L.) Huds.) und Sonnentau-Arten (Droserae L.) treten im Bereich des Besucherweges nicht auf, sondern können nur von Vögeln oder Insekten bestaunt werden - Menschen müssen draußen bleiben.

An blühenden Pflanzen kann man dann wenigstens im Hochsommer den Gewöhnlichen Gilbweiderich, Lysimachia vulgaris L., bestaunen, der in größeren Beständen am Zugang des Bohlenweges wächst und typisch für Hochmoor-Randsümpfe, Bachsäume oder Feuchtwiesen ist. In Ostfriesland ist er an den Gräben landwirtschaftlicher Flächen sehr häufig anzutreffen.

Überwiegend besteht der Bewuchs der Moorflächen aus einer ubiquitären Gräserdecke mit etwas Moosbedeckung an feuchteren Stellen. Die Strauchschicht ist licht bis lückig und wird aus Moorbirken (Betula pubescens Ehrh.), Ebereschen (Sorbus aucuparia L.), Faulbaum (Frangula alnus Mill.) und Grau-Weiden (Salix cinerea L.) gebildet. Interessant, besonders für Kinder, dürfte die relativ große, durch den Bohlenweg geförderte Population der Waldeidechse sein. Geht man langsam und achtet bei Sonnenschein und warmem Wetter im Sommer auf die Randbohlen, kann man zahlreiche Tiere erkennen, die erst sehr spät in die Ritzen oder unter die Bohlen flüchten.


Abb. 8 Faulbaum, Frangula alnus Mill., mit gleichzeitig am Strauch befindlichen kleinen, unscheinbaren Blüten, unreifen roten und reifen schwarzen Beeren



Abb. 9 Junge Eidechse auf dem Bohlenweg



Abb. 10 Der Gewöhnliche Gilbweiderich an einem Graben am Zugang zum Bohlenweg.


Bester Zeitpunkt für einen Besuch sind die warmen Tage im Sommer, wenn die Wollgräser blühen, wahrscheinlich Eriophorum angustifolium Honck., und man die Eidechsen auf dem Bohlenweg beobachten kann. Wochenends und an Feiertagen kann es manchmal "recht voll" werden. Am Parkplatz des Bohlenwegs findet sich ein Café und ein (sehr kleiner) "Streichelzoo". In der Umgebung bieten sich die Feldwege für kleinere oder größere Wanderungen an. Sonstige Bereiche des Ewigen Meers sind für Normalsterbliche verboten.

Zitiervorschlag: Lorek, M. 2013: Das Ewige Meer, ein Hochmoor in Ostfriesland. – http://www.tropengarten.de/Botanik/ewiges-meer.html am Tg.Mo.Jahr.

© Tropengarten

info@tropengarten.de