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Rhinanthus minor L.
Kleiner Klappertopf, Orobanchaceae - Sommerwurzgewächse
                        auch: Scrophulariaceae - Braunwurzgewächse
Vollfrühling- bis Spätsommerblüher, V–IX, 05–50 cm hoch, sommergrün, einjährig

Der Kleine Klappertopf tritt verbreitet in der Mitte und im Süden und zerstreut im Norden Mitteleuropas auf, sozusagen als Pendant zum Großen Klappertopf, Rhinanthus serotinus (Schönh.) Oborny. Das Verbreitungsgebiet reicht von Südeuropa bis Russland und Nordamerika. In vielen Regionen der Welt ist die Art eingebürgert. Der Kleine Klappertopf besiedelt Extensivwiesen, Halbtrocken- und Magerrasen, bevorzugt auf kalkfreien Böden. Die Pflanzen wachsen aufrecht mit kahlen Stängeln. Frühblühende Sippen sind wenig bis gar nicht, spätblühende reichlich verzweigt. Die Blätter sind gegenständig, kahl, länglich-lanzettlich und gezähnt. Die Deckblätter (jene direkt unterhalb der Blüten, die diese vor dem Aufblühen bedecken) sind ebenfalls kahl, dreieckig, spitz, mit kurzen Zähnen ohne Grannen.

Die Blüten sind kahl, dunkelgelb, mit gerader Kronenröhre, die kürzer als der Kelch ist. Die Zähne an der Oberlippe sind weißlich oder blassblau. Die Krone ist 13–15 mm lang, der Schlund ist offen. Später bilden sich Fruchtkapseln, in denen die Samen locker liegen und beim Schütteln klappernde Geräusche verursachen (deutscher Name). Die Samen werden per Stoß- und Windausbreitung fort getragen.

Die Pflanzen sind Wurzel-Halbparasiten, weshalb die Gattung von den meisten Autoren unter die Orobanchaceae eingeordnet wird. Das Pflanzenspektrum auf welchem die Klappertöpfe schmarotzern, ist sehr umfangreich. Manchmal werden sogar Pflanzen der eigenen Art parasitiert. Es gibt Ökotypen der Art, die schon zeitig im Frühjahr blühen, während andere Herbstblüher sind. Dies sind keine Standorttypien, sondern genetisch fixierte Unterschiede. Bei den Klappertöpfen gibt es ein Panoptikum von Umgruppierungen und Neubestimmungen die manchmal eine Bestimmung schwierig machen. Zudem sind Hybriden zwischen verschiedenen Arten nicht selten. Der ähnliche Zottige Klappertopf, Rhinanthus alectorolophus Pollich, ist dicht zottig an Stängel, Blättern und Krone behaart, hat ebenfalls einen blauen Oberlippenzahn bei blassgelber Krone und wächst auf Kalk. Währenddessen hat der Große Klappertopf, R. serotinus, eine heller gelbe Krone mit einem blauen Oberlippenzahn und bevorzugt Kalk.

Der Gattungsname Rhinanthus L. stammt von gr. "rhine" (= Feile) und gr. "anthos" (= Blüte), nach den Blüten, die einzeln in den Achseln gesägter Tragblätter sitzen; nicht nach genitiv gr. "rhinos" (= Nase). Das Epitheton minor stammt von lat. "minus" (= kleiner, geringer) und beschreibt die kleinere Krone im Vergleich zu anderen Arten der Gattung, besonders dem Großen Klappertopf.


Abb. 1 Stängelblätter des Rhinanthus minor, ausgesprochen schmalblättriger Ökotyp am Wegesrand auf Spiekeroog, 13.07.2015, –1 m, 53° 46' 03 N, 07° 42' 08 O Abb. 2 Verzweigende Pflanze des Rhinanthus minor in einem Halbtrockenrasen auf Wangerooge, 04.08.2013, 1 m, 53° 47' 27 N, 07° 53' 03 O

Abb. 3 Die Oberlippenzähne des Rhinanthus minor sind weißlich und die Kronröhre ist kürzer als der Kelch. Halbtrockenrasen auf Wangerooge, 04.08.2013, 1 m, 53° 47' 27 N, 07° 53' 03 O


Ein saurer, lockerer, immer etwas feuchter Boden ist für den Kleinen Klappertopf ideal. Die Winterhärte ist ausgezeichnet und reicht für kältere Lagen in Mitteleuropa. Zum Einsatz können die Pflanzen im naturnahen Garten kommen, benötigen andere Pflanzen, auf denen der Große Klappertopf schmarotzern kann.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Rhinanthus minor. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/rhinanthus-minor.html am Tg.Mo.Jahr.

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