Startseite

Scabiosa columbaria L.
  synonym: Scabiosa anthemifolia Eckl. & Zeyh.
                 Scabiosa austroafricana Heine
Gewöhnliche Tauben-Skabiose, Dipsacaceae - Kardengewächse
Sommerblüher, VI–XI, 20–50(–80) cm hoch, immergrün, mehrjährig, kurzlebig

Die Gewöhnliche Tauben-Skabiose tritt in Mitteleuropa zerstreut bis verbreitet auf, in den Hochlagen der Gebirge fehlt sie ganz. Das Verbreitungsgebiet ist europäisch bis westasiatisch. Bevorzugt wächst sie auf mageren Standorten wie kalkhaltigen Wiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen. Auf gedüngten Flächen verschwindet sie, was eine Ursache des Rückgangs der Bestände in Mitteleuropa ist. Die Pflanzen haben ästige Stängel mit mehreren Blütenköpfen und fiederspaltige Grundblätter. Die Stängelblätter sind fein behaart, stehen zu 2–3 Paaren und haben 9–13 Fiedern. Im Hochsommer, gelegentlich auch früher ab Mai, erscheinen bis 3 cm im Durchmesser große, blauviolette, selten weiße Blütenkörbchen. Die Einzelblüten sind 5-spaltig (Knautia 4-spaltig). Ab August bis Oktober bilden sich kugelige Fruchtstände. Die Samen tragen "Fallschirme" (= Pappus), werden aber auch durch Wasser, Kletthaftung und Insekten verbreitet.

Die ältere Bezeichnung Tauben-Grindkraut verweist auf die (mögliche) ehemalige arzneiliche Nutzung bei Hautleiden. Es sind mehrere infraspezifische Taxa etabliert worden, die nicht einheitlich akzeptiert werden und überwiegend lokale Ökotypen beschreiben.

Abb. 1 Blütenköpfchen und unreife Fruchtköpfchen von Scabiosa columbaria, thermophiler Saum bei Oberbergen im Kaiserstuhl, 12.09.2015, 380 m, 48° 06' 03 N, 07° 39' 42 O Abb. 2 Eher rötlich violetter Blütenkopf einer Zuchtsorte von Scabiosa columbaria, Privatgarten, 22.04.2015

Abb. 3 Blütenkopf einer Zuchtsorte mit bläulich violetten Kronblättern, Scabiosa columbaria, Privatgarten, 22.04.2015 Abb. 4 Fiederspaltiges Grundblatt von Scabiosa columbaria, Privatgarten, 22.04.2015

Abb. 5 Blütenkörbchen vor dem Aufblühen mit den steifen, karminroten Haaren bei Scabiosa columbaria, Privatgarten, 22.04.2015 Abb. 6 Beim Aufblühen erscheinen bei Scabiosa columbaria zuerst die Randblüten. Kalkhaltiger Waldsaum im Urft-Tal bei Nettersheim, Eifel, 03.08.2016, 443 m, 50° 30' 40 N, 06° 37' 12 O

Abb. 7 Gegenständige, mittlere Stängelblätter von Scabiosa columbaria mit linealen Abschnitten, thermophiler Saum bei Oberbergen im Kaiserstuhl, 12.09.2015, 380 m, 48° 06' 03 N, 07° 39' 42 O Abb. 8 Obere Stängelblätter der Scabiosa columbaria sind deutlich reduziert, teilweise nur fädlich. Kalkhaltiger Waldsaum im Urft-Tal bei Nettersheim, Eifel, 10.08.2016, 443 m, 50° 30' 40 N, 06° 37' 12 O

Abb. 9 Bestand der Scabiosa columbaria in einem thermophilen Saum im Urft-Tal bei Nettersheim, Eifel, 10.08.2016, 443 m, 50° 30' 40 N, 06° 37' 12 O Abb. 10 Unteres Stängelblatt von Scabiosa columbaria. Kalkhaltiger Waldsaum im Urft-Tal bei Nettersheim, Eifel, 10.08.2016, 443 m, 50° 30' 40 N, 06° 37' 12 O

Abb. 11 Fast reife Früchte von Scabiosa columbaria, thermophiler Saum bei Oberbergen im Kaiserstuhl, 12.09.2015, 380 m, 48° 06' 03 N, 07° 39' 42 O Abb. 12 Weiß blühende der Scabiosa columbaria in einem Halbtrockenrasen am Bahlinger Eck, Kaiserstuhl, 31.05.2018, 440 m, 48° 06' 31 N, 07° 41' 59 O

Abb. 13 Bestand der Scabiosa columbaria in einem Halbtrockenrasen am Bahlinger Eck, Kaiserstuhl, 31.05.2018, 440 m, 48° 06' 31 N, 07° 41' 59 O Abb. 14 Vergleich der Scabiosa columbaria (links) mit der Wiesen-Witwenblume, Knautia arvensis (L.) Coult. (rechts), 31.05.2018


Der Gattungsname Scabiosa L. existierte schon vorlinnäisch und ist nicht eindeutig, zumal sich der Name auf mindestens neun verschiedene Gattungen bezog. Möglich erscheint ein Benennungsmotiv nach der Heilwirkung gegen Hauterkrankungen, die sich auch im deutschen Namen "Grindkraut" wiederfindet, lat. "scabiosus" (= räudig, krätzig); ein Fachbegriff der heute noch für den Hautmilbenbefall gebraucht wird: Skabies. Das Art-Epitheton columbaria stammt von lat. "columbarius" (= Tauben-) und beschreibt die taubenblauen Blütenfarben.

Die Gewöhnliche Tauben-Skabiose ist eine prächtige Pflanze mit großen, farbenfrohen Blüten im Sommer. Im Exotengarten ist ein sonniger Platz ideal. An den Boden bestehen kaum Anspüche, lediglich locker und nicht zu trocken sollte er sein, idealerweise zudem kalkhaltig und nährstoffarrm. Kombinationen mit immergrünen Exoten oder das mediterrane Beet sind dekorative Arrangements, wo die Pflanzen sommers ihre volle Pracht entfalten können. Es gibt zahlreiche Sorten mit unterschiedlichem Blühzeitpunkt und Kronfarben.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Huxley, A., Griffiths, M. & Levy, M. 1999: The New Royal Horticultural Society Dictionary of Gardening. – Band I–IV, Macmillan Reference Ltd., London.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Scabiosa columbaria. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/scabiosa-columbaria.html am Tg.Mo.Jahr.

© Tropengarten

info@tropengarten.de