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Viola reichenbachiana Boreau
  synonym: Viola sylvestris Lam.<

Wald-Veilchen, Violaceae - Veilchengewächse
Ende Erstfrühlingblüher, II–V(–IX), 10–25 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Das Wald-Veilchen tritt in Mitteleuropa überwiegend verbreitet auf, im Nordwesten eher zerstreut. Das Verbreitungsgebiet ist europäisch. Bevorzugt siedelt es in Laubmischwäldern, auch auf Kalk. Die Pflanzen sind nicht behaart, tragen Blätter grundständig und an den Stängeln, die meist > 2 cm lang sind und am Grunde herzförmig. Nebenblätter sind lanzettlich und mit langen Fransen. Die Blüten erscheinen im zeitigen Frühjahr, seltener als Nachblüte im Spätsommer, sind hellviolett mit 3–6 mm langem, ebenfalls hellviolettem, abgerundetem, ungefurchtem Sporn. Die Kelchblätter sind lanzettlich, spitz zulaufend.

Neben der vegetativen Ausbreitung über Wurzelausläufer kann sich das Wald-Veilchen generativ über Samen vermehren. Diese werden von Ameisen verschleppt (Myrmekochorie) oder per Schleudermechanismus (Ballochorie) ein paar Meter weit verstreut.

Häufig treten Hybriden mit dem Hain-Veilchen, Viola riviniana Rchb. auf, manchmal sogar sind die Hybriden dominant oder bilden ausschließlich einen Bestand, wie oft hier im westlichen NRW. Sie sind meist steril. Die V. riviniana trägt einen weißen Blütensporn, während die Hybriden V. ×bavarica Schrank einen hellblauen bis blauvioletten tragen, der heller als jener der V. reichenbachiana ist, aber dunkler als jener der V. riviniana ist und einen deutlichen, dunklen, gefurchten Strich auf der Unterseite aufweist.

Das sehr ähnliche Duftveilchen, Viola odorata L., hat ebenfalls einen violetten Sporn (außer bei weißer Krone, dann ist dieser auch weiß), macht oberirische Ausläufer die sich leicht bewurzeln, hat keine spitzen sondern stumpfe Kelchblätter, die Krone besitzt zudem kein helles Zentrum und die Nebenblätter sind ganzrandig oder nur kurz gefranst.


Abb. 1 Violetter Sporn der ungeöffneten Blüte von Viola reichenbachiana am Jakobsberg, Teutoburger Wald, nicht eindeutig bestimmbare Sippe mit breiten Kelchblättern und weißem Blütenzentrum, 26.02.2014, 189 m, 52° 01' 57 N, 08° 24' 52 O Abb. 2 Violetter Sporn der Blüte von Viola reichenbachiana; in einem basenreichen Laubmischwald am Nordhang des Teichbergs bei Wolfsthal, Niederösterrreich, 03.04.2017, 184 m, 48° 07' 53 N, 16° 59' 23 O

Abb. 3 Weißes Zentrum der Blüte von Viola reichenbachiana am Jakobsberg, Teutoburger Wald, wie Abb. 1, 26.02.2014, 189 m, 52° 01' 57 N, 08° 24' 52 O Abb. 4 Viola reichenbachiana am Jakobsberg, Teutoburger Wald, nicht eindeutig bestimmbare Sippe, 26.02.2014, 189 m, 52° 01' 57 N, 08° 24' 52 O

Abb. 5 Kahle Stängel mit lanzettlichen, deutlich gefransten Nebenblättern der Viola reichenbachiana im Buchenwald im Strunde-Tal, Bergisches Land, 06.04.2016, 166 m, 50° 59' 48 N, 07° 09' 36 O Abb. 6 Noch geschlossene Blüte der Viola reichenbachiana mit dem abgerundeten Sporn und den spitz zulaufenden Kelchblättern, Buchenwald im Strunde-Tal, Bergisches Land, 06.04.2016, 166 m, 50° 59' 48 N, 07° 09' 36 O

Abb. 7 Viola reichenbachiana macht auch Ausläufer und die Stängel steigen auf, Buchenwald im Strunde-Tal, Bergisches Land, 06.04.2016, 166 m, 50° 59' 49 N, 07° 09' 36 O Abb. 8 Aufrecht wachsende Pflanze der Viola reichenbachiana, Buchenwald im Strunde-Tal, Bergisches Land, 06.04.2016, 166 m, 50° 59' 48 N, 07° 09' 36 O

Abb. 9 Krone einer Viola ×bavarica, der Hybride von V. riviniana Rchb. mit V. reichenbachiana, Laubmischwald im Neandertal bei Hochdahl, 01.04.2017, 110 m, 51° 13' 03 N, 06° 59' 20 O Abb. 10 Der Sporn einer Viola ×bavarica (Viola riviniana × reichenbachiana) ist hellviolett mit dunklem Streifen (gefurcht) unterseits, Laubmischwald im Neandertal bei Hochdahl, 01.04.2017, 110 m, 51° 13' 03 N, 06° 59' 20 O


Der Gattungsname Viola ist von Linné aus dem Lateinischen übernommen worden und bedeutete schon im Altertum Veilchen. Das Epitheton reichenbachiana wurde zu Ehren des Botanikers und Direktors des Botanischen Gartens in Dresden, Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach (1793–1879), etabliert.

Viola reichenbachiana sind dekorative, immergrüne Bodendecker für schattige Bereiche im Garten, frische Stellen im Unterwuchs von Strauchrabatten.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Viola reichenbachiana. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/viola-reichenbachiana.html am Tg.Mo.Jahr.

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