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Der Diersfordter Wald und das Schwarze Wasser bei Wesel

Der Diersfordter Wald bei Wesel ist ein 927 ha großes Naturschutzgebiet, welches sich aus vielen verschiedenen Biotopen und kleineren Schutzgebieten zusammensetzt und ein mosaikartiges Wald-, Heide- und Moorgebiet ist. Am bekanntesten im Diersfordter Wald ist das Schwarze Wasser, bei dem es sich um einen kleinen Heideweiher in einer Dünenmulde handelt, dessen Wasser tatsächlich sehr dunkel ist und wegen der aus der Umgebung ausgewaschenen Huminsäuren der Moorvegetation schwarz erscheint.

Nach der letztem Eiszeit bildeten dort sich im Gebiet der Niederterrasse des Rheins durch Flugsand große Flächen von Sanddünen, die sich größtenteils bewaldeten. Obwohl es sich bei der Dünenlandschaft um einen lockeren, wasserdurchlässigen Untergrund handelt, verhindern in den Dünenmulden undurchlässige Schichten in der Tiefe ein Versickern des Wassers. So konnte sich das Schwarze Wasser entwickeln. Es besitzt weder einen Zu- noch Abfluss und wird ausschließlich durch Niederschläge gespeist. Neben dem Schwarzen Wasser gibt es noch ein gutes Dutzend weiterer Dünnenmuldenmoore und -weiher, die eine vergleichbare Entstehungsgeschichte haben.



Abb. 1 Blick auf das Schwarze Wasser vom Rundweg aus


Abb. 2 Trockene Heidefläche mit überwiegend Calluna vulgaris außerhalb der Blütezeit, südlich vom Schwarzen Wasser nach Rodung des Waldes


Abb. 3 Digitalis pupurea auf den Rodungsflächen am Bohlenweg


Viele der Moore und Weiher sind durch Landwirtschaft, Moorstich, militärische Nutzung, Kiesgruben und Infrastruktur vollkommen zerstört, degradiert oder eutrophiert (hohes Nährstoffangebot) und daher in Rückbildung begriffen. Am besten erhalten ist in dieser Hinsicht das Schwarze Wasser. Dessen Wasser ist durch die Huminsäuren dunkel gefärbt und nährstoffarm, aber am Rande des Weihers gibt es eine relativ abwechselungsreiche Vegetation, von denen das Schwimmende Froschkraut, Luronium natans (L. ) Raf., eine weißblühende, ausdauernde Wasserpflanze, das bekannteste und seltenste ist. Es ist der Hauptgrund, warum das Schwarze Wasser abgesperrt wurde.

Bereits seit 1936 ist das Schwarze Wasser als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Bis vor einigen Jahren war der Weiher zugänglich und wurde von den Menschen in ihrer Freizeit genutzt. Heute ist er abgezäunt und ist nur für viehwirtschaftliche Nutzung zugänglich, neuhochdeutsch nennt sich das Landschaftspflege. Von einem Rundweg (bis Anfang 2013) aus kann man den Weiher aber aus der Ferne sehen, zumal der größere Baumbestand um das Schwarze Wasser herum gerodet wurde. Das Schwimmende Froschkraut aber bleibt der Bevölkerung vorenthalten und nur Schafe und Ziegen dürfen gucken.

Ab 2013 sind mehrere Umbaumaßnahmen geplant, mit denen die Nutzung des Waldes noch stärker reguliert werden soll. Zäune, Wegeverbote, Betretungseinschränkungen, Schilder und sonstiger Regulierungswahn werden dann sicherlich noch zunehmen. Besonders wenn man bedenkt, dass gerade die Heideflächen durch Nutzung durch den Menschen enstanden sind und nicht durch Regime. Und besonders auch, dass größte Teile des Waldgebietes wirtschaftlich, militärisch und infrastrukturell zerstört worden sind und weiter werden und wohl kaum durch Nutzung der Menschen in ihrer Freizeit.



Abb. 4 Die Glockenheide, Erica tetralix, in einer Feuchtheide am Rand des kleinen Moores westlich vom Schwarzen Wasser


Abb. 5 Das Schmalblättrige Wollgras, Eriophorum angustifolium Honck., mit seinen mehreren Wollschöpfen pro Stängel, am Schwarzen Wasser, 22.09.2012, 30 m, 51° 41' 43 N 06° 34' 41 O


Abb. 6 Lichter Eichenwald aus Stileichen, Quercus robur. Fehlende Strauchschnitt und dichte Krautschicht mit fast ausschließlich Adlerfarn, Pteridium aquilinum


In direkter Umgebung des Schwarzen Wassers finden sich mehrere kleinere, interessante Einzelbiotope wie Sumpfwälder, Feuchtheiden oder Hochmoore. Hochmoore deshalb, weil sie wie die Dünenmuldenweiher fast ausschließlich nur durch Niederschläge versorgt werden. Ganz anders beim Niedermoor. Bei ihm entsteht die Wassersättigung hingegen durch Bodenwasser (Grundwasser und Zuflüsse) und durch Niederschläge. Durch Torfbildung wachsen Moore im Laufe der Zeit in die Höhe und können viele Meter dicke Schichten aufbauen, was in den nordwestlichen Bereichen des Diersfordter Waldes (Großes Venn im Wildgatter) auch sichtbar ist.

Besonders für ausgedehnte Wanderungen geeignet ist das Wildgatter. Es wird erschlossen von einem 6,5 km langen Rundwanderweg durch die Wälder und einem etwa 2 km langen Weg durch das nördliche Moorgebiet des Großen Venn. Dieses Gebiet besteht aus einem abwechslungsreichen und atmosphärisch interessanten Moor-Dünen-Komplex. Zwischen den Dünenmuldenmooren und -weihern finden sich große Dünenfelder, die mit lichten Pfeifengras-Kiefernwäldern, kleineren Trockenheiden und relativ naturnahen Eichen-Birken-Wäldern bewachsen sind.




Abb. 7 Einige Forstbereiche bestehen aus altem Buchenwald, Fagus sylvatica. Auch hier artenarmer Adlerfarn-Bestand in der Krautschicht


Abb. 8 Moor im Großen Venn am Bohlenweg, nördlich im Wildgatter


Abb. 9 Dünnenmuldenweiher im Norden des Wildgatters


Die übrigen Bereiche des Wildgatters sind mit ausgesprochen lichten Eichen- und Kiefernwäldern bewaldet. Die Krautschicht wird in großen Bereichen vom Adlerfarn, Pteridium aquilinum (L.) Kuhn, gebildet, der zusammen mit dem Wildfraß eine Verjüngung des Waldes und Strauchschichtbildung effektiv behindert. So sind die meisten Bäume mit 120 und mehr Jahren etwa gleichen Alters und in den prächtigen Stieleichenwäldern, Quercus robur L., findet sich keine Strauchschicht.

Der Eingang zum Wildgatter findet sich am 2012 neu gebauten Parkplatz beim alten Haus "Am Jäger", direkt an der Kreuzung der beiden Straßen B 8 (Emmericher Straße) und L 480 (= Straße Bislicher Wald). Von dort geht's ein Stückchen am Hundehalterverein vorbei zu den großen Wildgattertoren. Ein Plan des Gebietes findet sich am Parkplatz.





Abb. 10 Ein weiterer Dünenmuldenweiher im Norden des Wildgatters, Großes Venn


Abb. 11 Bulte im Großen Venn


Abb. 12 Artenarmer Pinus sylvestris Wald mit Pfeifengras im Unterwuchs auf einem Dünenzug im Wildgatter


Weitere interessante botanische Ziele sind der ganz im Westen des Diersfordter Waldes liegende Moor-Dünen-Komplex "Am Schnepfenberg", wo man eine große Population des Kleinen Wasserschlauches, Utricularia minor L., findet. Mit 40 m Höhe ist der Schnepfenberg die höchste Erhebung des Diersfordter Waldes. Militärische Aktivitäten sind dort noch deutlich an Schäden in der Landschaft sichtbar.

Bester Zeitpunkt für einen Besuch des Diersfordter Waldes ist von Frühjahr (Blüte der Wollgräser und der großen adventiven Esskastanienpopulation, Castanea sativa Mill., im Norden des Schwarzen Wassers) bis in den Sommer oder Herbst (Blüte der Glockenheide, Erica tetralix L. und Besenheide, Calluna vulgaris (L.) Hull, Esskastanienreife). Es ist davon auszugehen, dass es zukünftig (Stand IX/2013) noch einige Veränderungen im Diersfordter Wald geben wird. Zum Parken bietet sich der oben genannte Parkplatz "Am Jäger" an. Er liegt zentral und man kann ihn gut als Startpunkt ins Wildgatter wählen. Zum Schwarzen Wasser sind es knapp 2 km Richtung Osten. Nehmen Sie sich Zeit für eine Erkundung des Gebietes, eventuell auch über zwei Tage.



Abb. 13 Pinus sylvestris Wald mit Pfeifengras, gut erkennbar die Binnendüne links


Abb. 14 Moorfläche im Pinus sylvestris Wald, Wildgatter



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2013: Der Diersfordter Wald und das Schwarze Wasser bei Wesel. – http://www.tropengarten.de/Botanik/schwarzes-wasser.html am Tg.Mo.Jahr.

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