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Anthriscus sylvestris (L.) Hoffm.
Wiesenkerbel, Apiaceae - Doldenblütler
Ende Vollfrühlingblüher, V–VIII, 60–150 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Der Wiesenkerbel ist in Mitteleuropa sehr häufig und tritt gemein in allen Gebieten Mitteleuropas auf. Er besiedelt gerne Wiesen, Hecken, Gebüschsäume, Bach- und Waldränder, ruderale Stellen entlang von Wegen oder auf Schuttflächen.

Die Stängel sind scharfkantig gefurcht, grün, ohne Flecken, gelegentlich mit rötlich-braunen Längsstreifen, an den Knoten nicht verdickt und unten steifhaarig. Die Laubblätter sind 2–3-fach gefiedert, im Umriss 3-eckig und die kleinsten Fiederabschnitte lanzettlich und zugespitzt. Die Dolden bestehen aus 8–15 Döldchen und haben keine Hüllblätter (Hüllblätter sind bei Doldenblütler die Hochblätter direkt unterhalb des Blütenstandes, Hüllchenblätter jene unterhalb der Teildolden = Döldchen). Hüllchenblätter unterhalb der Döldchen gibt es 4–8, sie sind oval, zugespitzt, mit randständigen, borstigen Haaren. In den Dolden sind die nach außen gerichteten Kronblätter nur wenig größer als die restlichen Kronblätter (nicht strahlend). Die Früchte sind 7–10 mm lang, kahl, glänzend, stehen zu 2 und haben typischerweise zwischen beiden eine deutliche Längsfurche (Kerbe), an der sich Früchte bei Vollreife teilen und einzeln verstreuen.



Abb. 1 Ein 2–3-fach gefiedertes, um Umriss 3-eckiges Laubblatt des Anthriscus sylvestris. Wegesrand in den Lippeauen bei Bergkamen-Heil, 04.06.2016, 57 m, 51° 38' 36 N, 07° 37' 36 O Abb. 2 Bestand des Anthriscus sylvestris an einem Wegesrand im Urft-Tal bei Urft-Steinfeld, Eifel, 17.06.2016, 433 m, 50° 30' 46 N, 06° 35' 27 O

Abb. 3 Rhizom des Anthriscus sylvestris mit den oberflächennahen Erneuerungsknospen. Wegesrand im Rekultivierungswald des ehemaligen Braunkohletagebaus Bergheim, 11.06.2016, 88 m, 50° 58' 00 N, 06° 38' 38 O Abb. 4 An den Knoten ist der Stängel von Anthriscus sylvestris nicht verdickt. Manchmal findet sich eine rötlichbraune Längsstreifung. Wegesrand im Rekultivierungswald des ehemaligen Braunkohletagebaus Bergheim, 11.06.2016, 88 m, 50° 58' 00 N, 06° 38' 38 O

Abb. 5 Glänzende und längsgefurchte Früchte des Anthriscus sylvestris mit den kleinen, ovalen und am Rand borstig behaarten Hüllchenblättern. Wegesrand im Urft-Tal bei Urft-Steinfeld, Eifel, 17.06.2016, 433 m, 50° 30' 46 N, 06° 35' 27 O Abb. 6 Blüten- und Fruchtstände des Anthriscus sylvestris in einem Waldsaum am Rheinbogen bei Stürzelberg, 08.06.2016, 38 m, 51° 09' 38 N, 06° 50' 54 O

Abb. 7 Blütenstand von Anthriscus sylvestris mit den weißen Kronblättern, deren randständige nur wenig größer sind als die restlichen. Wegesrand im Urft-Tal bei Urft-Steinfeld, Eifel, 17.06.2016, 441 m, 50° 30' 45 N, 06° 35' 07 O Abb. 8 Der grüne, steifhaarige und gefurchte Stängel von Anthriscus sylvestris. Wegesrand im Urft-Tal bei Urft-Steinfeld, Eifel, 17.06.2016, 441 m, 50° 30' 45 N, 06° 35' 07 O

Abb. 9 Die oberen Laubblätter des Anthriscus sylvestris sind schmal fädlich. Wegesrand im Urft-Tal bei Urft-Steinfeld, Eifel, 17.06.2016, 441 m, 50° 30' 45 N, 06° 35' 07 O Abb. 10 Die reifen Früchte des Anthriscus sylvestris sind schwarzbraun und teilen sich an der Kerbe, Felder bei Wuppertal-Herbringhausen, 19.06.2016, 287 m, 51° 13' 59 N, 07° 15' 55 O


Mit dem Wiesenkerbel hat man einen der ersten im Jahr blühenden Doldenblütler. Wenn mit Ende des Vollfrühlings weitere Arten mit ihren Blüten hinzukommen, hat der Wisenkerbel oft schon die ersten Früchte gebildet. Dann sind an den Pflanzen meist Frucht- und Blütenstände gleichzeitig zu entdecken. Typisch und namensgebend für die Gattung sind die deutlich längsgefurchten (gekerbten) Früchte. Dies ist auch bei anderen Arten und Gattungen zu beobachten, beispielsweise den Kälberkröpfen wie Chaerophyllum temulum L., jedoch sind die Furchen nicht so ausgeprägt und beim Wiesenkerbel glänzen die kahlen Früchte.

Der Gattungsname Anthriscus L. stammt von gr. "antherix" (= Ähre, Halm), wahrscheinlich nach den kurzen, steif aufwärts gerichteten Borsten der Früchte des Garten-Kerbels, Anthriscus cerefolium (L.) Hoffm., die entfernt einer Ähre ähnlich sehen. Das Epitheton sylvestris stammt von lat. "silvestris" (= Wald, im Wald lebend), nach dem häufigen Auftreten der Art entlang von Waldrändern oder auf Lichtungen.

Anthriscus sylvestris ist eine Pflanze für den naturnahen Garten und dürfte wohl eher wenig zum Einsatz kommen, zumal der Wiesenkerbel mit zu den häufigsten Doldenblütlern gehört und mithin überall gemein ist.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Anthriscus sylvestris. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/anthriscus-sylvestris.html am Tg.Mo.Jahr.

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