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Helleborus orientalis Lam.
Orientalische Nieswurz, Orientalische Christrose, Ranunculaceae - Hahnenfußgewächse
Vorfrühlingsblüher, I–IV, 10–45 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Die Orientalische Nieswurz stammt aus Südosteuropa bis zum Kaukasus. Es sind immergrüne Christrosen mit haarlosen oder leicht behaarten Blättern mit 5–11, doppelt gesägten Segmenten. An den verzweigten Blütenständen stehen die Blüten zu 1–4, haben cremig weiße bis grünliche oder rötliche Perigone. Später bilden sich 4–7, nicht verwachsene Karpelle (Fruchtblätter).

Vom Helleborus orientalis existieren einige Unterarten, die sich in wenigen Merkmalen unterscheiden. Helleborus orientalis ssp. abchasicus (A. Braun) B. Mathew aus dem Westkaukasus und der ehemaligen Sowjetunion hat rot bis purpur unterlaufene Perigone, oft zentral gepunktet. Die Nektarien sind purpurfarben oder grün und purpur gestreift. Helleborus orientalis ssp. guttatus (A. Braun & F. W. H. Sauer) B. Mathew aus dem zentralen und östlichen Kaukasus hat weiße Perigone mit purpur-roten Punkten. Nicht alle Autoren akzeptieren diese Unterteilung. Manche sehen die Unterarten als eigenständige Arten, andere wiederum nur als Morphotypen ohne eigenständigen Status. Letzte Sichtweise ist womöglich die sinnvollere, da alle möglichen Übergänge innerhalb des H.orientalis Komplexes existieren.



Abb. 1 Weiß-grünliches Perigon des Helleborus orientalis ssp. abchasicus im Botanischen Garten Düsseldorf, 19.02.2014 Abb. 2 Weißes, rot gepunktetes Perigon von Helleborus orientalis ssp. abchasicus im Botanischen Garten Düsseldorf, 19.02.2014

Abb. 3 Blatt von Helleborus orientalis ssp. abchasicus, 19.02.2014, Botanischer Garten Düsseldorf Abb. 4 Rosa Perigon mit roten Punkten des Helleborus orientalis, 19.02.2014, Botanischer Garten Düsseldorf


Die Abgrenzung des Helleborus orientalis von den anderen Arten der Gattung ist am Naturstandort relativ einfach. In Kulturbeständen jedoch kann die Identifizierung schwierig bis unmöglich sein, wenn Merkmalsübergänge durch freie Hybridisierung vorliegen. Besonders H. orientalis neigt ja zur Hybridisierung, wird sehr häufig im Gartenbau angeboten und es existieren zahllose Kultivare, von diesem mit anderen Arten der Nieswurze. Viele dieser Morphoytpen sind daher idealerweise als H. xhybridus Hort. zu bezeichnen. Beim H. orientalis sind die Perigone blass bis cremig grün, später bräunlich gelb-grün. Manche Ökotypen aus dem Kaukasus haben rot gepunktete, dekorative Perigone. Die Blätter sind immergrün, mit 5–11 Segmenten, doppelt gezähnt. Die Bracteen (= Hochblatt, aus dessen Achsel ein Blütenspross hervorgeht) sind geteilt und blattähnlich. Beim H. purpurascens Waldst. & Kit. sind die Perigone relativ groß, mit 5–7 cm im Durchmesser großen Blüten, dunkelrot bis violett, und sie erscheinen noch vor den Blättern. Diese sind 5-zählig, wobei jedes Segment nochmals 2–6-fach gefiedert ist. Die Bracteen sind geteilt und blattähnlich. Beim H. niger sind die Bracteen ungeteilt. Helleborus dumetorum hat geteilte Tragblätter (Bracteen), die Perigone sind hell, weiß-rosa bis grünlich, die Fruchtblätter grundständig verwachsen, die Segmente der Laubblätter deutlich gestielt. Helleborus viridis L. ist laubabwerfend, hat meist vollständig grüne Perigone mit grundständig verwachsenen Karpellen.

Nicht gesichert ist die Ableitung des Gattungsnamens Helleborus L. Schon vor Linné wurde der Begriff gr. "elleboros" für die beiden Arten Veratrum album L. (Weißer Germer) und H. niger genutzt, die als Niesreiz auslösende Pflanzen galten. Auch heute noch ist "elleboros" der neugriechische Name für die Christrose. Das Epitheton orientalis stammt von lat. "orientalis" (= wo die Sonne aufgeht, östlich) und bezieht sich den Naturstandort im südöstlichen Europa bis Asien.


Abb. 5 Rosablühender Horst des Helleborus orientalis, 19.02.2014, Botanischer Garten Düsseldorf Abb. 6 Weißes Perigon mit zentraler, grüner Tingierung bei Helleborus orientalis, 19.02.2014, Botanischer Garten Düsseldorf

Abb. 7 Mischbestand von weiß und rosa blühendem Helleborus orientalis, 19.02.2014, Botanischer Garten Düsseldorf Abb. 8 Balgfrüchte des Helleborus orientalis, 19.02.2014, Botanischer Garten Düsseldorf

Abb. 9 Mischbestand von weiß und rosa blühendem Helleborus orientalis, 19.02.2014, Botanischer Garten Düsseldorf Abb. 10 Gefüllter, purpurrot blühender Helleborus orientalis, besser als H. xhybridus bezeichnet, 12.02.2014, Japanischer Garten Leverkusen


Helleborus orientalis ist eine attraktive Christrose, die schon im Winter oder zeitigen Frühjahr blüht und Farbe in den Garten bringt, mithin also eine unentbehrliche Pflanzenart ist. Die Orientalische Christrose ist ausreichend winterhart, immergrün und es existieren zahllose Kultivare von ihr oder ihren Unterarten. Oft sind diese Kultivare beziehungsweise Sorten jedoch nicht mehr eindeutig als H. orientalis zu identifizieren, sondern sollten besser als H. xhybridus bezeichnet werden. Nichtsdestotrotz gibt es unter ihnen zahllose attraktive Pflanzen, mit einem breiten Spektrum an Blütenfarben, Fleckung, einfach bis mehrfach gefüllten Perigonen und panaschierten Blättern. Eine schier endlose Auswahl interessanter Gartenpflanzen.

In milden Regionen können die Pflanzen zum Herbst gesetzt werden. Der Boden kann leicht sauer oder neutral, idealerweise leicht kalkhaltig sein. Standorte unter Bäumen oder Sträuchern in lichtem Schatten sind ideal. Dort können sich die Pflanzen langsam vermehren. An trockenen Standorten ist gelegentliches Wässern ratsam. In Gartenbeständen mit unterschiedlichen Arten der Nieswurze erscheinen oft neue Morphotypen mit abweichenden Merkmalen.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Huxley, A., Griffiths, M. & Levy, M. 1999: The New Royal Horticultural Society Dictionary of Gardening. – Band I–IV, Macmillan Reference Ltd., London.
Polunin, O. 2006: Flowers of Greece and the Balkans. – Oxford University Press, Oxford, New York, 592 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Helleborus orientalis. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/helleborus-orientalis.html am Tg.Mo.Jahr.

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