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Himantoglossum hircinum (L.) Rich.
     synonym: Loroglossum hircinum (L.) Rich.
                    Satyrium hircinum L.
Bocks-Riemenzunge, Orchidaceae - Orchideengwächse
Frühsommerblüher, V–VI, 30–60 cm hoch, vorsommer-, wintergrün, mehrjährig, kurzlebig

Die Bocks-Riemenzunge tritt in den Kalkgebieten des Südwestens zerstreut, ansonsten selten auf, im Norden fehlt sie fast ganz. Im Zuge der Klimaerwärmung breitet sich die Art langsam nach Norden aus. Das Verbreitungsgebiet ist europäisch, vom westlichen Mittelmeergebiet bis nach Mitteleuropa. Bevorzugt siedelt die Art auf kalkhaltigen Standorten wie Trocken- und Halbtrockenrasen, Trockengebüschsäumen und aufgelassenen Weinbergen. Die Pflanzen sind kurzlebig und blühen nur wenige Jahre bevor sie absterben. Daher können die Bestände von Jahr zu Jahr stark schwanken. Entsprechend ihrer "mediterranen Herkunft" treiben die Pflanzen im Herbst und überdauern den Winter immergrün. Mit Beginn der Blüte verwelken die Laubblätter wieder. Die Laubblätter stehen in basaler Rosette, sind eiförmig bis länglich, die oberen Stängelblätter sich lanzettlich. Die Blütenstände sind dicht- und vielblütig. Die Einzelblüten haben einen Bocksgeruch, sind bleichgrün, innen purpurrot gestreift und gefleckt; der Helm ist geschlossen; die Lippe ist tief 3-lappig, mit spitzen Seitenlappen und lienalischem Mittellappen, der anfangs eingerollt ist, später 3–6 cm lang und spiralig gedreht.

Abb. 1 Blüten des Himantoglossum hircinum, auf einem Trockenrasen am Bollenberg, Elsass, Frankreich, 30.05.2018, 292 m, 47° 56' xx N, 07° 15' xx O Abb. 2 Blütenstand des Himantoglossum hircinum in einem halbschattigen Saum im Arboretum Liliental, Ihringen, Kaiserstuhl, 28.05.2018, 324 m, 48° 04' xx N, 07° 40' xx O

Abb. 3 Blütenstand des Himantoglossum hircinum an einem Wegesrand im Arboretum Liliental, Ihringen, Kaiserstuhl, 28.05.2018, 327 m, 48° 04' xx N, 07° 40' xx O Abb. 4 Blüten des Himantoglossum hircinum mit dem langen, linealen, gedrehten Mittellappen. Halbschattiger Saum im Arboretum Liliental, Ihringen, Kaiserstuhl, 28.05.2018, 327 m, 48° 04' xx N, 07° 40' xx O

Abb. 5 Blühende Pflanze des Himantoglossum hircinum mit schon hinfälligen Laubblättern, Trockengebüschsaum am Bollenberg, Elsass, Frankreich, 30.05.2018, 292 m, 47° 56' xx N, 07° 15' xx O Abb. 6 Unreife Fruchtkapseln des Himantoglossum hircinum, auf einem Trockenrasen am Bollenberg, Elsass, Frankreich, 30.05.2018, 292 m, 47° 56' xx N, 07° 15' xx O


Der Gattungsname Himantoglossum Spreng. leitet sich ab von gr. "himas" (= Riemen) und gr. "glossa" (= Zunge), nach dem langen, linealen Mittellappen. Das Epitheton hircinum stammt von lat. "hircinus" (= Ziegenbock), nach dem Geruch der Bocks-Riemenzunge.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Himantoglossum hircinum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/himantoglossum-hircinum.html am Tg.Mo.Jahr.

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