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Ophrys holoserica (Burm f.) Greuter
  synonym: Ophrys arachnites Lam.
                 Ophrys elatior Paulus
                 Ophrys fuciflora Moench
Hummel-Ragwurz, Orchidaceae - Orchideengewächse
Vollfrühling- Sommerblüher, V–IX, 15–90 cm hoch, vorsommer-, sommergrün, mehrjährig

Die Hummel-Ragwurz tritt im Südwesten Mitteleuropas selten bis zerstreut auf, ansonsten fehlt sie fast ganz. Ihr Verbreitungsgebiet ist europäisch-vorderasiatisch. Bevorzugt werden Trocken- und Halbtrockenrasen, Wiesen und Waldlichtungen besiedelt. Die Pflanzen überdauern mit 2 unterirdischen Knollen; aus der einen entspringt im Frühjahr die oberirdische Sprossachse. Jede Saison wird eine neue Knolle gebildet (= Innovations-Wurzelknolle). Die 4–7 Laubblätter sind grundständig, lanzettlich und 4–10 cm lang. Der Blütenstand ist eine lockere Traube mit 2–10 Einzelblüten. Die äußeren Perigonblätter (nach manchen Autoren Kelchblätter) sind weiß oder rosafarben und eiförmig. Die inneren Perigonblätter (nach manchen Autoren Kronblätter) sind fast 3-eckig, spitz, kürzer und dunkler als die äußeren Perigonblätter; selten können die inneren Perigonblätter grün sein. Die Lippe ist ungeteilt, trapezförmig, fast flach, bis 18 mm breit, purpurbraun mit gelblichem Fleck in der Mitte; am Grund finden sich 2 seitliche behaarte Höcker und an der Spitze ein nach vorne gebogenes Anhängsel. Später bilden sich Kapselfrüchte, die beim Eintrocknen längs aufreißen und jeweils tausende feine Samen freigeben.

Die inneren Perigonblätter bilden eine Biene nach und dienen zusammen mit Sexuallockstoffen zur Fernanlockung von Wildbienen (Sexualtäuschblumen), die beim Tänzeln auf der Lippe die Blüten bestäuben. Zusätzlich können auch andere Insekten die Pflanzen erfolgreich bestäuben.

Die Hummel-Ragwurz ist formenreich und es existiert daher eine Plethora an infraspezifischen Taxa. Erwähnenswert sind die spätblühenden Sippen der ssp. elatior (Paulus) H. Baumann & Künkele, die von Juli bis September blühen und höher werden als die frühblühenden.


Abb. 1 Blüten der Ophrys holoserica auf einem Halbtrockenrasen im Arboretum Liliental, Ihringen, Kaiserstuhl, 28.05.2018, 316 m, 48° 04' xx N, 07° 40' xx O Abb. 2 Apikaler Blütenstand von Ophrys holoserica auf einem Trockenrasen am Bollenberg, Elsass, Frankreich, 30.05.2018, 291 m, 47° 56' xx N, 07° 15' xx O

Abb. 3 Blüten der Ophrys holoserica auf einem Trockenrasen am Bollenberg, Elsass, Frankreich, 30.05.2018, 291 m, 47° 56' xx N, 07° 15' xx O Abb. 4 Blüte der Ophrys holoserica auf einem Halbtrockenrasen im Arboretum Liliental, Ihringen, Kaiserstuhl, 28.05.2018, 322 m, 48° 04' xx N, 07° 40' xx O


Der Gattungsname Ophrys L. leitet sich ab von gr. "ophrys" (= Augenbraue, Bergvorsprung, Anhöhe), wobei das Benennungsmotiv nicht eindeutig ist; es könnte sich auf den Standort in collinen bis subalpinen Regionen beziehen. Vorlinnäisch firmierte Ophrys unter der Gattung Orchis L., nach den zwei hodenförmigen Wurzelknollen, die beiden gemeinsam sind. Das Epitheton holoserica stammt von gr. "holos" (= ganz) und gr. "Serikos" (= chinesisch), zu "ganz seidene Stoffe aus China", hier im Sinne von "seidenweiß", nach der weißen Farbe der Kelchblätter, insbesondere der frühblühenden Sippen im Juni (nach manchen Autoren ssp. holoserica).

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Ophrys holoserica. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/ophrys-holoserica.html am Tg.Mo.Jahr.

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