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Helleborus foetidus L.
Stinkende Nieswurz, Christrose, Ranunculaceae - Hahnenfußgewächse
Erstfrühlingblüher, II–IV, 30–80 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Die Stinkende Nieswurz oder Christrose ist in Mitteleuropa relativ selten und besiedelt gerne Buchenwälder und Buchenmischwälder auf Kalk. Es sind immergrüne Pflanzen, von denen die grundständigen, 3–9-fach geteilten Blätter überwintern. Die Blütenstände tragen zahlreiche, nickende Einzelblüten, deren Perigone glockenartig zusammen liegen. Meist sind die Perigone unscheinbar grünlich, gelegentlich rötlich oder auch duftend. Mit dem Älterwerden der Blüte bekommen die Perigone am Ende eine rote bis violette Tönung. Die 8–12 trichterförmigen Nektarblätter sind grün (wie beim Eranthis hyemalis (L.) Salisb., der ebenfalls zu den Hahnenfußgewächsen gehört, handelt es sich eigentlich um umgewandelte Kronblätter).


Abb. 1 Blütenstand von Helleborus foetidus, Botanischer Garten Düsseldorf, 19.02.2014 Abb. 2 Perigon mit endständiger Rötung und drei Karpelle von Helleborus foetidus, auf einem Schuttfächer am Rotenfels, Rheinland-Pfalz, 21.03.2014, 203 m, 49° 48' 53 N, 07° 50' 22 O

Abb. 3 Blätter des Helleborus foetidus, Botanischer Garten Düsseldorf, 19.02.2014 Abb. 4 Blühendes Helleborus foetidus im Botanischen Garten Bochum, 17.01.2015


Die Abgrenzung des Helleborus foetidus von den anderen Arten der Gattung ist einfach, da der reich verzweigte Blütenstand schon ein auffälliges Merkmal ist. Schwierig sind die aus Gärten verwilderten Sippen zu bestimmen, da es sehr oft gärtnerische Kreuzungen verschiedener Arten gibt, besonders mit H. orientalis Lam. Diese gärtnerischen Sippen werden als H. xhybridus Hort. zusammengefasst und können Merkmale unterschiedlicher Elternteile aufweisen. Helleborus cyclophyllus Boiss. hat geteilte Tragblätter (Bracteen), die Perigone sind hell, weiß-rosa bis grünlich, die Fruchtblätter grundständig frei, die Blätter unterseits behaart. Helleborus dumentorum Waldst. & Kit. hat deutlich gestielte Laubblätter (Laminae) und grundständig verwachsene Karpelle. Helleborus viridis L. ist laubabwerfend, hat meist vollständig grüne Perigone an wesentlich kleineren Blütenständen.

Nicht gesichert ist die Ableitung des Gattungsnamens Helleborus L. Schon vor Linné wurde der Begriff gr. "elleboros" für die beiden Arten Veratrum album L. (Weißer Germer) und H. niger L. genutzt, die als Niesreiz auslösende Pflanzen galten. Auch heute noch ist "elleboros" der neugriechische Name für die Christrose. Das Epitheton foertidus stammt von lat. "foetidus" (= stinkend) und bezieht sich auf den leicht unangenehmen Geruch zerriebener Blätter.

Abb. 5 Neu austreibende Blätter von Helleborus foetidus, auf einem Schuttfächer am Rotenfels, Rheinland-Pfalz, 21.03.2014, 204 m, 49° 48' 53 N, 07° 50' 23 O Abb. 6 Blütenstand des Helleborus foetidus, Botanischer Garten Bochum, 17.01.2015

Abb. 7 Blühendes Helleborus foetidus im Botanischen Garten Bochum, 17.01.2015 Abb. 8 Bestand des Helleborus foetidus im Frühjahr, auf einem Schuttfächer am Rotenfels, Rheinland-Pfalz, wie Abb. 2, 21.03.2014, 203 m, 49° 48' 53 N, 07° 50' 22 O

Abb. 9 Kultursorte des Helleborus foetidus 'Yellow Wilgenbroeck' mit rötlich-gelb-grünem Blütenstand, Privatgarten in Nettetal-Oirlich, 18.02.2017 Abb. 10 Perigon mit 3 noch unreifen Karpellen von Helleborus foetidus. Am Rotenfels, Rheinland-Pfalz, 21.03.2014, 203 m, 49° 48' 53 N, 07° 50' 22 O


Helleborus foetidus wird schon lange in Gärten kultiviert. Es blüht im Winter oder zeitigen Frühjahr und ist daher eine attraktive, einheimische Pflanzenart, die Struktur und ersten "Glanz" in den Garten bringt. In milden Regionen können die Pflanzen zum Herbst gesetzt werden. Der Boden kann leicht sauer oder neutral, idealerweise kalkhaltig sein. Standorte unter Bäumen oder Sträuchern in lichtem Schatten sind ideal. Dort können sich die Pflanzen langsam vermehren. An trockenen Standorten ist gelegentliches Wässern ratsam. An Standorten wo sich die Pflanzen wohlfühlen, können sie sich bereitwillig aussäen. Ist das nicht erwünscht, sollten nach der Blüte die Fruchtstände abgeschnitten werden, bevor die Balgfrüchte reif sind und sich öffnen.

In Gartenbeständen mit unterschiedlichen Arten der Nieswurze erscheinen oft neue Morphotypen mit abweichenden Merkmalen. Es gibt zahlreiche Sorten und Kreuzungen im Handel, die teilweise sogar zur Vermehrung und gelegentlich zur Ausbreitung außerhalb der Gärten neigen. Dabei dürften sowohl einheimische Arten wie H. foetidus L. oder H. viridis L. als auch exotische Arten wie H. orientalis für die Kreuzungsgrundlage infrage kommen. Die Christrosen sind Frühjahrs- oder Winterblüher, mithin also unentbehrliche Pflanzen. Dass diese Arten gerne als Weihnachtsblüher vorgezogen werden, erklärt auch den Namen Christrose. Zudem ist der immergrüne Habitus ein dekoratives Merkmal für den Garten.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Helleborus foetidus. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/helleborus-foetidus.html am Tg.Mo.Jahr.

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