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Osmunda regalis L.
Königsfarn, Osmundaceae - Königsfarngewächse, Rispenfarngewächse
60–160(–200) cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Der Königsfarn ist in Mitteleuropa selten und besiedelt feuchte Übergangsmoore, Sumpfgebüsche, Moor- und Bruchwälder. Hauptsächlich im subatlantischen Nordwesten liegt das natürliche Verbreitungsgebiet des Königsfarns in Mitteleuropa. In NRW existieren neben dem großen Bestand im Birken-Bruchwald zwischen Sankt Augustin und Holzlar noch kleinere Bestände beispielsweise an den Stallberger Fischteichen, in der Wahner Heide, Haan oder im Nutscheid nahe Waldbröl.

Wie schon der deutsche Name beschreibt, ist Osmunda regalis ein eindrucksvoller Farn mit bis zu 200 cm langen Wedeln und einer fast ebensolchen Gesamtgröße. Das Besondere am Königsfarn ist neben der Größe, dass er nicht wie das Gros der einheimischen Farne die Sporen unter den Blattfiedern trägt, sondern auf speziell dafür gebildeten Wedelabschnitten, die man dementsprechend Sporophylle (= "Sporenblätter") nennt. Im Gegensatz dazu gibt es die nicht sporentragenden Wedel, die nur der Assimilation (Ernährung) dienen und daher Trophophylle (= "Ernährungsblätter", gr. "trophein" = ernähren) genannt werden. Trophophylle sind steril und besitzen keine Vermehrungsorgane. Sporophylle erfüllen beide Aufgaben, Ernährung und Fertilität.

Die separat gebildeten Wedelabschnitte des Königsfarns gibt es bei anderen einheimischen Farnen nicht in dieser Ausprägung. Entfernt ähnlich sind die fertilen Wedelabschnitte der Mondrauten, Botrychium Sw., beim Straußenfarn, Matteucia struthiopteris (L.) Tod., oder beim Rippenfarn, Blechnum spicant (L.) Roth. Bei den allermeisten anderen Farn-Arten sind die Sporo- und Trophophylle morphologisch sehr ähnlich. Die speziellen Sporophylle beim Königsfarn sind vom nicht fertilen Wedelabschnitt getrennt und befinden sich auf dem oberen Abschnitt einiger Wedel. Man könnte diesen Abschnitt als Sporangienstand bezeichnen. Die sterilen Wedelabschnitte sind doppelt gefiedert, ausgebreitet und hell frün. Hingegen sind die fertilen Wedelabschnitte rötlich braun, ährig angeordnet und ohne chlorophyllhaltige Strukturen. Ein Stamm wird nur selten gebildet. Zum Winter hin ziehen die Pflanzen ein.


Abb. 1 Fertile Wedelabschnitte der Osmunda regalis, Wahner Heide am 30.06.2013, 87 m, 50° 52' 20 N, 07° 09' 51 O Abb. 2 Unterseite eines Trophophylls von Osmunda regalis, Wahner Heide am 30.06.2013, wie Abb. 1, 87 m, 50° 52' 20 N, 07° 09' 51 O


Abb. 3 Vollsonniger Standort der Osmunda regalis in der Wahner Heide am 30.06.2013, wie Abb. 1, 87 m, 50° 52' 20 N, 07° 09' 51 O Abb. 4 Exemplar der Osmunda regalis im Japanischen Garten Leverkusen, 27.05.2015

Abb. 5 Im Frühjahr sich entfaltender Wedel der Osmunda regalis. Grün-gelb ist das Sporophyll, kastanienbraun das Trophophyll, Privatgarten, 22.04.2016 Abb. 6 Sporophyll der Osmunda regalis im Botanischen Garten Bochum, 29.07.2014

Abb. 7 Steriles Trophophyll, Oberseite, Osmunda regalis, zwischen Sankt Augustin und Holzlar am 06.10.2013, 113 m, 50° 44' 58 N, 07° 11' 08 O Abb. 8 Bestand der Osmunda regalis im Birkenbruch zwischen Sankt Augustin und Holzlar am 06.10.2013, wie Abb. 7, 113 m, 50° 44' 58 N, 07° 11' 08 O


Die Abgrenzung der Osmunda regalis von anderen Arten der Farne dürfte problemlos sein. Die entwicklungsgeschichtlich ältere Besonderheit der speziell umgebildeten, bräunlichen Sporophyllabschnitte ist ein unverkennbares Merkmal im Gegensatz zu den jüngeren Farnen, die die Sporangien auf der Unterseite assimilierender, grüner Wedelabschnitte tragen. Eine Abgrenzung gegenüber Botrychium-Arten dürften ebenfalls problemlos sein.

Nicht gesichert ist die Ableitung des Gattungsnamens Osmunda L. Am wahrscheinlichsten basiert er auf dem theophonischen angelsächsischen Namen Osmund, dessen Morphem "Os" (= Gott, Beschützer) bedeutet und sich in zahlreichen Namen wiederfindet, Oswald, Osborn, Astrid, etc. Auf welchen "königlichen" Namen sich Linné letztlich bezog, bleibt zwar unklar, ist aber dennoch eine passende Namenswahl, die sich so auch schon in vorlinnéscher Literatur findet. Das Epitheton regalis stammt von lat. "regalis" (= königlich) ab und bezieht sich auf die prachtvolle Morphologie des Königsfarns.


Abb. 9 Bestand der Osmunda regalis, im Birkenbruch zwischen Sankt Augustin und Holzlar am 06.10.2013, 110 m, 50° 44' 57 N, 07° 11' 03 O Abb. 10 Bestand der Osmunda regalis mit noch 14 existierenden Exemplaren in einem staunassen Erlenbruch in Haan bei Düsseldorf, 22.11.2013, 100 m, 51° 10' 48 N, 06° 59' 21 O


Osmunda regalis ist ein dekorativer Farn für den Garten. Er verträgt Standorte in voller Sonne bis lichtem Schatten. Der Boden sollte feucht sein, sauer und darf auch gerne mal vernässen. Teiche, Bäche oder schwierige Stellen im Unterwuchs wären eine architektonisch gute Wahl. Es gibt Sorten mit rötlichen Austrieb. Jungpflanzen benötigen einige Jahre bis sie eine prachtvolle Größe erreicht haben.

Referenzen
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Frahm, J. P. & Sievers, R. 2009: Botanische Exkursionen im Rheinland, Königsfarn Sankt Augustin. – http://www.jan-peter-frahm.de/Arbeitskreis/009 Koenigsfarn Sankt Augustin.pdf, 34–35, am 10.10.2013.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Osmunda regalis. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/osmunda-regalis.html am Tg.Mo.Jahr.

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