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Asplenium trichomanes L.
Brauner Streifenfarn, Aspleniaceae - Streifenfarngewächse
10–30 cm, immergrün, kurzlebig, mehrjährig

Unverwechselbarer, immergrüner Farn mit relativ kurzen, bis 20 cm langen, einfach gefiederten Wedeln. Asplenium trichomanes ist in Mitteleuropa mäßig häufig und besiedelt gehölzfreie Felsfluren, deren Charakterart es ist. Altes Mauerwerk, unbefestigte Fugen, historische Gebäudesubstanz, Fels- und Steinfluren sind beliebte Standorte. Asplenium trichomanes ist ein relativ schwieriger Sippen-Komplex mit zahlreichen Ökotypen und Hybriden, deren genaue infraspezifische Einteilung nicht hinreichend geklärt ist und idealerweise als formenreiche Art mit Standortvarianz gehandhabt werden sollte.

Die Pflanzen gehören zu den etwas kleineren Farnen, bilden kurze Rhizome und werden 10–30 cm groß. Oft wachsen sie in Horsten in Mauer- und Felsspalten, sowohl auf sauren als auch alkalischen (kalk- und basenhaltigen) Untergründen. Es gibt Ökotypen mit hängendem oder aufrechtem Wuchs und solche mit zentrifugalem Habitus. Von hell- bis dunkel blaugrünen Laubfarben gibt es alle möglichen Farbvarianten. Die Spreitenachse ist hell rotbraun bis dunkelbraun (Name).

Abb. 1 Bestand von Asplenium trichomanes an einer Sandsteinmauer am Altenberger Dom, 29.09.2013, 105 m, 51° 03' 18 N, 07° 08' 02 O Abb. 2 Asplenium trichomanes auf Kalksteinfelsen, nahe des Dreimühlen Wasserfalls, Nohne, Eifel, 14.12.2013, 402 m, 50° 19' 33 N, 06° 46' 36 O

Abb. 3 Noch undeutlich erkennbare "streifige" Anordnung der Sporangien und braune Wedelachse von Asplenium trichomanes, Altenberger Dom, wie Abb. 1, 29.09.2013, 105 m, 51° 03' 18 N, 07° 08' 02 O Abb. 4 Asplenium trichomanes an einer Sandsteinmauer am Altenberger Dom, wie Abb.1, 29.09.2013, 105 m, 51° 03' 18 N, 07° 08' 02 O

Abb. 5 Unterseite der Wedel von Asplenium trichomanes, Altenberger Dom, wie Abb. 1, 29.09.2013, 105 m, 51° 03' 18 N, 07° 08' 02 O Abb. 6 Asplenium trichomanes zusammen mit A. adiantum-nigrum L. und Corydalis solida (L.) Clairv. am Rotenfels, Bad Münster am Stein, Nahe-Tal, 21.03.2014, 267 m, 49° 49' 01 N, 07° 50' 31 O

Abb. 7 Asplenium trichomanes in einem Eichenwald mit saurem Boden, Rotenfels, Bad Münster am Stein, Nahe-Tal, 21.03.2014, 270 m, 49° 49' 03 N, 07° 50' 31 O Abb. 8 Bestand des Asplenium trichomanes zusammen mit Polystichum aculeatum (L.) Roth. auf Kalkstein, Strunde-Tal, Herrenhausen, Bergisches Land, 23.02.2014, 139 m, 50° 59' 53 N, 07° 10' 00 O

Abb. 9 Individuenreicher Bestand des Asplenium trichomanes in einem ehemaligen Kalksteinbruch am buddhistischen Zentrum im Strunde-Tal, Herrenhausen, Bergisches Land, 23.02.2014, 140 m, 50° 59' 54 N, 07° 10' 00 O Abb. 10 Asplenium trichomanes zusammen mit A. ruta-muraria L. in den Kalkfelsen des Wasserfalls Dreimühlen, Nohn, Eifel, 28.05.2914, 388 m, 50° 19' 28 N, 06° 46' 08 O

Abb. 11 Asplenium trichomanes zusammen mit Cystopteris fragilis (L.) Bernh. am Wasserfall Dreimühlen, Nohn, Eifel, 28.05.2914, 388 m, 50° 19' 28 N, 06° 46' 08 O Abb. 12 Asplenium trichomanes in den Kalksinterfelsen des Wasserfalls Dreimühlen, Nohn, Eifel, 28.05.2914, 388 m, 50° 19' 28 N, 06° 46' 08 O



Die Zugehörigkeit des Asplenium trichomanes zu den Streifenfarngewächsen erschließt sich an der Form der Fortpflanzungs-Strukturen auf der Blattunterseite. Diese sogenannten Sporangien (Sporen-Behälter) bilden längliche Haufen, die als parallel zu den Blattgefäßen laufende Streifen (Sori = Sporangien-Gruppe) sichtbar werden und Namensgeber der Streifenfarngewächse sind. Am deutlichsten ist dies beim Hirschzungenfarn, Asplenium scolopendrium L., zu erkennen.

Der Gattungsname Asplenium L. leitet sich von der Typusart, dem Milzfarn, Asplenium ceterach L., ab und stammt von gr. "splen" (= Milz). Wahrscheinlich ergibt sich der Name Milzfarn aus der (weitgehend ehemaligen) volksheilkundlichen Anwendung gegen Milzerkrankungen. Das Epitheton trichomanes geht zurück auf gr. gen. "trichos" (= Haar) und gr. "manos" (= dünn), als morphologsicher Hinweis auf die haarförmigen, drahtig elastischen, braunen Wedelachsen des A. trichomanes.

Abb. 13 Cymbalaria muralis G. Gaertn., B. Mey. & Scherb. zusammen mit dem Braunen Streifenfarn an einer Natursteinmauer in Monschau, Eifel, 12.08.2012, 428 m, 50° 33' 07 N, 06° 14' 18 O Abb. 14 Asplenium trichomanes in den Kalkfelsen des aufgelassenen Steinbruchs Hahn in Aachen-Hahn, 01.08.2015, 279 m, 50° 42' 20 N, 06° 11' 24 O

Abb. 15 Hübscher Bestand des Asplenium trichomanes am Oberrand eines Kalksteinbruches des Westenfelder Kalkknäppchens, Sauerland, 20.07.2014, 318 m, 51° 19' 14 N, 08° 03' 15 O Abb. 15 Die "streifige" Anordnung der Sporangien auf der Unterseite eines Wedels von Asplenium trichomanes. Ehemaliger Kalksteinbruch am Westenfelder Kalkknäppchen, Sauerland, 20.07.2014, 318 m, 51° 19' 14 N, 08° 03' 15 O

Abb. 17 Asplenium trichomanes in der Kalksteinwand der Hohen Anna bei Brilon, Sauerland, Sauerland, 07.01.2015, 490 m, 51° 23' 22 N, 08° 35' 10 O Abb. 18 Asplenium trichomanes (links) zusammen mit A. viride Huds. (rechts) in der Kalksteinwand der Hohen Anna bei Brilon, Sauerland, 07.01.2015, 490 m, 51° 23' 22 N, 08° 35' 10 O

Abb. 19 Asplenium trichomanes an einer Vulkansteinwand am Lenzenberg, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 377 m, 48° 03' 25 N, 07° 39' 20 O Abb. 20 Asplenium trichomanes nach langer Trockenheit. Mit den nächsten Regenfällen werden die Pflanzen wieder weiter wachsen. Sandsteinmauer in Wuppertal-Barmen, 155 m, 51° 16' 12 N, 07° 12' 04 O, 23.07.2016

Abb. 21 Asplenium trichomanes an einer Sandsteinwand im Tal des Sulzbächle bei St. Roman, Schwarzwald, 10.04.2015, 555 m, 48° 19' 09 N, 08° 17' 33 O Abb. 22 Kultursorte des Asplenium trichomanes 'Incisum' mit gekerbten Fiederblättchen, Privatgarten, 03.08.2015

Abb. 23 Zahlreiche Pflanzen des Asplenium trichomanes in einer Sandsteinmauer im Stadtpark Bochum, 24.09.2016, 99 m, 51° 29' 25 N, 07° 13' 19 O


Um Asplenium trichomanes erfolgreich längerfristig im Garten zu kultivieren, sollten die Bedigungen ähnlich derer am natürlichen Standort sein. Ein trockener Platz in Stein- oder Mauerritzen, am besten halbschattig bis sonnig und fehlender Konkurrenzdruck sind ideal. Zwar sind mit etwa einem dutzend Pflanzen pro Quadratmeter flächendeckende Kompositionen möglich, stilistisch jedoch besser ist ein lockeres Arrangement, wo Stein- und Felstrukturen zur Geltung kommen, mit etwa drei bis vier Pflanzen je Quadratmeter. Zudem vermehrt sich A. trichomanes bereitwillig bei guten Standortbedingungen. Zahlreiche Sorten, Unterarten und Morphotypen mit teils unterschiedlichen Anforderungen an den pH-Wert, unterschiedlichem Habitus, Blattfarben oder Formen sind im Handel zu erwerben.

Referenzen
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Wagenitz, G. 2003: Wörterbuch der Botanik. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, 552 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2015: Asplenium trichomanes. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/asplenium-trichomanes.html am Tg.Mo.Jahr.

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