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Yucca filamentosa
L.
                 einschließlich Y. flaccida Haw.
Fädige Palmlilie, Agavaceae - Agavengewächse
                 oder: Asparagaceae - Spargelgewächse
Frühsommerblüher, V–VII, bis 130 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Yucca filamentosa ist eine klein bleibende Palmlilie aus dem Osten Nordamerikas, von der Golfküste in Florida bis hoch nach New Jersey, wo sie bevorzugt an sandigen Standorten auch küstennah, in lichten Gebüschen oder Gehölzstreifen wächst. Meist sind die Pflanzen stammlos, selten bilden sich kurze Stämme, die dann meist von älteren Blättern bedeckt sind. Die Pflanzen wachsen mit rundlichen Rosetten, bilden mehrköpfige Horste mit steifen oder locker zurück gebogen Blättern, die weicher und biegsamer als bei vielen anderen Yucca-Arten sind. Randständig finden sich typischerweise gedrehte Fäden, zur Spitze ist der Rand oft eingerollt. Zur Basis hin sind die Blätter verschmälert. Mit bis zu 75 cm Länge sind die Blätter etwas kürzer als jene der zum selben Komplex gehörenden Y. flaccida Haw. Der Blütenstand überragt die Laubblattrosetten deutlich, wird bis 4,5 m hoch, mit flaumig behaarter oder kahler Blütenstandsachse. Die Blüten stehen deutlich suprafoliar (oberhalb der Laubblätter), sind weiß, gelegentlich gelblich oder grün tingiert, bis 7 cm groß. Die Früchte sind trockene, längliche Kapseln, bis 5 cm lang.

Sehr ähnlich ist die von manchen Autoren abgetrennte Yucca flaccida. Diese hat etwas längere, schmalere und dünnere Blätter, bis 80 cm Länge mit eher lanzettlicher Silhouette. Die Blüten sind etwas kleiner und schmaler, die Blütenstandsachse manchmal kahl; zur Gattung Yucca.



Abb. 1 Blüte der Yucca filamentosa, mit ihren weißen oder creme farbenen Perigonblättern, Privatgarten, 07.08.2003 Abb. 2 Frucht einer Yucca filamentosa aus manueller Bestäubung in einem Privatgarten, 06.08.2003

Abb. 3 Yucca filamentosa zusammen mit der Walzen-Wolfsmilch, Euphorbia myrsinites L., in einem Privatgarten, 17.05.2003 Abb. 4 Mehrere Morphotypen und wohl auch Hybriden der Yucca filamentosa im Botanischen Garten Budapest, Ungarn, 23.09.2009

Abb. 5 Mehrere Yuccae filamentosae im Garten der Universität Budapest, Ungarn, 23.09.2009 Abb. 6 Mehrere Yuccae filamentosae mit austreibenden Blütenständen, Privatgarten in Düsseldorf, 27.05.2007

Abb. 7 Scheinfrucht der Yucca filamentosa nach manueller Bestäubung mit Pollen der Y. recurvifolia Salisb., Samen nicht keimfähig, 07.08.2011 Abb. 8 Prächtige Blütenstände eines Horstes von Yucca filamentosa im Japanischen Garten Leverkusen, 01.08.2003

Abb. 9 Pflanze einer Yucca elata × filamentosa. Die Blätter ähneln stark einer schmalblättrigen Y. filamentosa. Privatgarten am Neusiedler See, Ungarn, 19.09.2014 Abb. 10 Pflanze einer Yucca elata × filamentosa, auch hier dominiert Y. filamentosa var. concava (Haw.) Baker, Privatgarten in Gols, Neusiedler See, Österreich, 19.09.2014

Abb. 11 Yucca aloifolia × filamentosa Kreuzung, deren Morphologie an die Y. recurvifolia erinnert. Privatgarten am Neusiedler See, Ungarn, 19.09.2014 Abb. 12 Zwei Horste der Yucca filamentosa vor dem Gasthof Lenzenberg, Ihringen, Kaiserstuhl, 13.03.2015


Bis in die Neuzeit hinein gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl von Umgruppierungen und infraspezifischen Unterteilungen der Art, die mehr Verwirrung stiften als Klarheit schaffen, denn grundsätzlich ist es eine Art, die mit verschiedenen Ökotypen auftritt und wegen der guten Frosthärte schon lange sich in Kultur befindet. In Europa existiert wie in Nordamerika daher eine Vielzahl unterschiedlicher Sorten hortikultureller Herkunft. Manche Autoren trennen Ökotypen mit konkavem Laubblatt ab, Yucca concava Haw. oder Y. filamentosa var. concava (Haw.) Baker. Eine weitere Abtrennung sind Ökotypen mit etwas schmalerem Blatt und feineren Fäden, Y. smalliana Fernald oder Y. filamentosa var. smalliana (Fernald) H. E. Ahles.

Der Gattungsname Yucca L. existierte schon vor Linné und ist wahrscheinlich aus einer Altsprache der karibischen Insel Hispaniola entlehnt. Das span. "yuca" (= Maniok) stammt daher und wurde wohl auf die ebenso essbaren Blüten und Samen der Y. aloifolia übertragen. Das Art-Epitheton filamentosa stammt von lat. "filum" (= Faden) und spätlat. "filamentum" (= Fadenwerk) und beschreibt die Fäden an den Laubblättern der Pflanzen oder die faserige Textur der Laubblätter.

Die Fädige Palmlilie ist hervorragend für das mitteleuropäische Klima geeignet, wobei dies für fast alle Morphotypen gilt, sowohl der Yucca filamentosa als auch Y. flaccida. Im Garten tolerieren die Pflanzen eine ganze Palette von Bedingungen, selbst halbschattige oder feuchtere Standorte werden vertragen. Für prächtigen Wuchs wäre natürlich ein sonniger, trockener, sandiger und leicht kalkhaltiger Platz am besten. Durch Abtrennen der sich im Laufe der Jahre zahlreich bildenden Schößlinge kann man die Pflanzen gut vermehren, insbesondere da die Ableger leicht während der warmen Jahreszeit bewurzeln. Von den zahlreichen Sorten, die teilweise mit phantasiereichen Namen firmieren, ist die Mehrzahl ausreichend hart.


Abb. 13 Laubblatt der Yucca aloifolia × filamentosa welches eher einer Y. aloifolia entspricht, Privatgarten am Neusiedler See, Ungarn, 19.09.2014 Abb. 14 Blatt mit randständigen Fäden der Yucca filamentosa am Naturstandort bei Bay Lake, Zentralflorida, 31 m, 28° 28' 14 N, 81° 54' 21 W

Abb. 15 Exemplar der Yucca filamentosa im Unterwuchs eines Gehölzstreifens am Naturstandort bei Bay Lake, Zentralflorida, 31 m, 28° 28' 14 N, 81° 54' 21 W Abb. 16 Knapp 3 m hoher Yucca filamentosa Blütenstand deutlich oberhalb des Blattschopfes, Privatgarten, 06.08.2004

Abb. 17 Yucca filamentosa mit kürzeren Blättern und kleinerem Schopf, Privatgarten im Sommer 2002 Abb. 18 Yucca filamentosa 'Golden Sword' mit ihrer hell gelben Mittelstreifen-Panaschierung, Privatgarten, 17.05.2003

Abb. 19 Zwei blühende Yuccae filamentosae 'Bright Edge' mit cremig gelben Randstreifen in Blüte, 17.05.2003 Abb. 20 Yucca filamentosa 'Bright Edge' im Vordergrund eines Staudenbeetes, Privatgarten, 07.11.2001

Abb. 21 Yucca filamentosa aus der "Flaccida-Reihe" im Winter in einer öffentlichen Pflanzung bei Heiligenhaus, 28.12.2014, 159 m, 51° 20' 56 N, 06° 59' 11 O Abb. 22 Yucca linearifolia Clary mit "geputztem" Stamm, im Vordergrund Y. filamentosa 'Golden Sword', Privatgarten, 15.08.2005

Abb. 23 Etwa 5-jährige Jungpflanze der Yucca filamentosa 'Bright Edge' 30–40 cm im 5L-Topf, Privatgarten, 20.03.2016 Abb. 24 Zweijährige Jungpflanze der Yucca filamentosa 10–20 cm im 0,5L-Topf, Privatgarten, 16.03.2016

Abb. 25 Schmalblättrige, unklare Hybride der Yucca filamentosa, fädentragend und mit kurzem oberirdischem Stamm im Botanischen Garten Cagliari, Sardinien, 19.10.2016


Wegen der ausgesprochen guten Winterhärte ist Yucca filamentosa eine interessante Art für die Hybridisierung mit weniger harten, westamerikanischen oder stammbildenden Yuccae. Hier ergibt sich sicherlich noch die Möglichkeit, zukünftig gut harte und gleichzeitig architektonisch ansprechende Pflanzen zu finden, siehe auch Yucca-Hybriden.

Neben grünblättrigen Yuccae filamentosae gibt es eine ganze Reihe buntblättriger Sorten, die ausgeprochen attraktiv und zudem noch gut winterhart sind. Die häufigsten und mithin schönsten sind.
- Y. filamentosa 'Bright Edge' mit cremig gelben Randstreifen
- Y. filamentosa 'Golden Sword' mit dünneren, oft genickenten Blättern die zentral einen breiten hellgelben Streifen haben
- Y. filamentosa 'Colour Gard' mit cremefarbenen Blättern und randständig grüne Streifen

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Irish, G. & Irish, M. 2000: Agaves, Yuccas, an Related Plants. A Gardener's Guide. – Timber Press, Portland, Oregon,  312 S.
Thiede, J. 2001: Yucca. In: Eggli., U: Illustrated Handbook of Succulent Plants: Monocotyledons. – Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 87–102.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Yucca filamentosa. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/yucca-filamentosa.html am Tg.Mo.Jahr.

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