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Yucca L.
Palmlilien, Yucca, Agavaceae - Agavengewächse
                   oder: Asparagaceae - Spargelgewächse

Die Palmlilien sind eine Gattung von etwa 45 überwiegend xerophytischer Arten; es handelt sich weniger um sukkulente (Wasser speichernde) Pflanzen, als mehr um Pflanzen, die an trockene Standorte angepasst sind. Es sind verholzende, terrestrische Einkeimblättrige, sehr selten epiphytisch wachsend (Yucca lacandonica Goméz-Pompa & Valdés). Meist sind die Pflanzen einfach zu erkennen, besitzen Blattrosetten mit mehrheitlich fädentragenden Blatträndern und kompakte, rispige Blütenstände aus weißen bis creme-farbigen Blüten. Häufig haben die Laubblätter einen terminalen Dorn. Die Früchte sind Kapseln mit zahlreichen schwarzen Samen. Eine Einteilung der Gattung Yucca in drei Sektionen, die sich durch die Früchte unterscheiden, ist nicht konsistent mit molekularen Ergebnissen und dürfte keinen Bestand haben. Beerenartige und kapselartige Früchte begründen demnach keine infragenerische Unterteilung, genauso wenig wie die meisten Arten mit aufreißenden (dehiszent) zu den wenigen mit nicht aufreißenden (indehiszent) Früchten.

Die Gattung hat im Laufe der Geschichte ein fast unüberschaubares nomenklatorisches Durcheinander erfahren mit hunderten ungewissen Namen, die aus gärtnerischen Quellen, aus immer wieder neuen Umgruppierungen, Umbenennungen oder phantasienvollen Neubenennungen stammen. Grund dürfte die häufige Hybridisierung der Arten sein, sowie die damit oft zu beobachtende Introgression. Hinzu kommt eine ziemliche Variabilität der Merkmale vieler Arten.

Eine besondere Eigenschaft der Yucca-Arten ist die enge Symbiose mit ihren Bestäubern, den Yucca-Motten. Weibliche Tiere besuchen zur Zeit der Blüte die zugehörigen Palmlilien und hinterlegen ein Ei in einem der drei Ovarien der Pflanze. Bei dieser Gelegentheit fungiert die Motto als Vektor und trägt den Pollen zum Stempel der nächsten Pflanze. Diese Beziehung ist oft artspezifisch.

Erfreulicherweise sind einige Yucca-Arten in Mitteleuropa winterhart. Hierzu gehören selbstverständlich die bekannten Y. filamentosa L. und Y. gloriosa L., einschließlich ihrer sehr zahlreichen Varitäten und Sorten. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Arten, die unter bestimmten Voraussetzungen, meist an trockenen und warmen Standorten in Klimazonen mit hoher Jahreswärmesumme sich als winterhart herausgestellt haben. Die Mehrzahl der Arten jedoch ist keinesfalls als winterhart zu bezeichnen, besonders die architektonisch wertvollen "Western-Yuccas" fallen unter diese Gruppe, aber auch die mittelamerikanischen Arten aus den (sub-)tropischen Klimazonen. In den letzten Jahren hat es vermehrt Versuche gegeben, diese dekorativen Arten mit den winterharten Arten zu kreuzen, um die Möglichkeit zu erproben, Anbau und Architektur in Mitteleuropa vereinen zu können, siehe Yucca-Hybriden.


Abb. 1 Exemplare der Yucca aloifolia im Botanischen Garten der Insel Lokrum, Dubrovnik, Kroatien, 13.10.2015 Abb. 2 Der Blütenstand einer Yucca treculiana am Stresemannplatz in Düsseldorf, wie Abb. 8, 25.05.2016


Yucca aloifolia
L. ist eine baumförmige Palmlilie die wahrscheinlich nur in Mexiko (Yucatan und Veracruz) heimisch ist, aber zu den weltweit am häufigsten kultivierten Arten und somit am weitesten verbreiteten gehört und zusätzlich eine der am längsten in Kultur befindlichen Arten ist.

Yucca angustissima
Engelm. ex Trel. stammt aus den südlichen USA. Es sind kleine, meist stammlose Pflanzen oder mit kurzen, kriechenden Stämmen.

Yucca arkansana
Trel. aus den zentralen bis südlichen USA ist eien Übergangsform zwischen den westlichen und östlichen Arten in Nordamerika. Es sind kleine, meist stammlose Pflanzen oder mit kurzen Stämmen.

Yucca baccata
Torr. stammt aus einem Gebiet zwischen dem Süden der USA bis Nordwest-Mexiko. Meistens sind es stammlose Pflanzen, selten mit kurzen Stämmen.

Yucca brevifolia
Engelm., der Joshua-Baum, stammt aus Arizona, Kalifornien, Nevada und Utah. Es sind stammbildende Pflanzen mit meist einem Stamm bis 15 m, der sich gewöhnlich ab 1–3 m Höhe verzweigt.

Yucca campestris
McKelvey aus einem kleinen Sanddünengebiet in Texas. Meist stammlose, klein bleibende Prärie-Yucca, die mehr oder weniger individuenreiche Kolonien bildet.

Yucca carnerosana (Trel.) McKelvey aus Texas und dem Nordwesten Mexikos ist eine einstämmige Yucca-Art, die selten 1- oder 2-fach in den obersten Bereichen der aufrechten Stämme verzweigt.

Yucca elata
Engelm. wächst in einem Gebiet zwischen dem Südwesten der USA bis Nordwest-Mexiko, in Höhen von 500–2.200 m. Bevorzugt werden Wüsten mit sandigem oder kiesigem Untergrund besiedelt. Übersandung können die Pflanzen überleben, wie man es besonders eindrucksvoll in den "White Sands" beobachten kann. Meist sind die Pflanzen mehrfach verzweigt, die Blütenstände erreichen bis 2 m Höhe.

Yucca elephantipes Regel ist die klassische Zimmerpflanzenyucca, nicht winterhart.

Yucca endlichiana Trel., die kleinste und sehr bizarre Yucca aus Coahuila (Mexiko), welche stammlos ist und mit kurzen, steifen Blättern wächst, ähnlich einer Agave. Sie bildet dichte Horste und wird kaum größer als 50 cm. Sehr ornamental und eventuell auch ein Ersatz für Agaven im Sukkulentenbeet, gleichwohl es bisher kaum erfolgreiche Freilanderfahrungen mit Y. endlichiana gibt. Wer sicher gehen will, sollte eine Kübelhaltung bevorzugen.

Yucca filamentosa L. ist eine klein bleibende Palmlilie aus dem Osten Nordamerikas. Meist sind die Pflanzen stammlos. Die Art gehört zu den winterhärtesten Yuccas.

Yucca filifera Chabaud aus den zentralmexikanischen Prärien und ariden Buschland in Höhen ist eine baumhohe, nicht winterharte Art.

Yucca glauca
Nutt. stammt aus dem südlichen Kanada und den zentralen Staaten Nordamerikas bis hinunter nach Texas. Die Art stellt eine charakteristische Pflanze der Prärien im Mittleren Westen dar. Es ist die Yucca-Art mit dem wohl größten Verbreitungsgebiet und sie gehört zu den frosthärtesten Arten der Gattung.

Yucca gloriosa
L. ist die wohl am häufigsten kultivierteste Yucca-Art, von der zahlreiche Sorten und Kultivare existieren. Sie ist zudem schon lange in Kultur und mit vielen, prächtigen Altpflanzen in Gärten und Parks vertreten. Von den stammbildenden Arten ist sie die winterhärteste für das mitteleuropäische Klima.

Yucca harrimaniae
Trel. stammt aus den südlichen und zentralen USA. Es sind stammlose Pflanzen, selten mit kurzen Stämmchen. Es existieren zahlreichen Varietäten der Y. harrimaniae, die sich oft nur durch marginale Unterschiede auszeichnen oder redundant etabliert wurden, einschließlich der Y. coloma Andrews, Y. gilbertiana (Trel.) Rydb., Y. nana Hochstätter und Y. neomexicana Wooton & Standl., die alle dem variablen Komplex der Y. harrimaniae angehören.

Yucca-Hybriden

Yucca linearifolia
Clary aus Nord-Mexiko (Nuevo León) ist eine meist einstämmig wachsende Yucca-Art.

Yucca mixtecana ist eine erst 1998 von García-Mendoza (Act. Bot. Mex. 1998, 42, 1–4) beschriebene Art. Typisch ist der dünne, hoch aufragende Stamm mit frühzeitig abfallenden Blattscheiden. Der Schopf erreicht einen Durchmesser von bis zu 120 cm mit fleischigen, festen Blättern, ähnlich denen von Y. carnerosana. Der Naturstandort in Oaxaca, Mexiko, liegt im hügeligen Buschland auf etwa 1.700 m, zusammen mit Agave salmiana, Dasylirion lucidum und zahlreichen anderen Xerophyten.

Yucca periculosa
Baker ist eine mexikanische Baumyucca, welche sehr stark Y. filifera ähnelt. Sie hat aber ein deutlich kürzeres Blatt, kaum härter Y. filifera und eher für dei Kübelhaltung geeignet.

Yucca recurvifolia gehört zur Y. gloriosa.

Yucca rigida
(Engelm.) Trel. stammt aus Mexiko (Chihuahua, Coahuila und Durango). Es sind stammbildende Pflanzen mit stahlbauen bis blau-grünen Blattrosetten. Empfindlicher als Y. rostrata.

Yucca rostrata
(Engelm.) Trel. stammt aus Texas (Brewster-County) und Nord-Mexiko (Coahuila). Es sind stammbildende Pflanzen mit 1 bis mehreren Stämmen und kompakten Blattrosetten.

Yucca rupicola: kleinere, stammlose Yucca aus Texas mit einer Maximalhöhe von 80 cm. Die Blätter wachsen bogenförmig und enden in einem braunen Dorn. Die Optik ist unverwechselbar. Yucca rupicola bildet im Laufe der Jahre einen kleinen Horst. Freilanderfahrungen bisher erst sehr wenige.

Yucca schidigera
Roezl ex Orgies, die Mohave-Yucca, stammt aus den südlichen USA (Arizona, Kalifornien, Nevada) und Nord-Mexiko (Baja California). Es sind stammbildende Pflanzen, die als einstämmige Exemplare aufreten oder in kräftige Horsten mit zahlreichen Stämmen wachsen.

Yucca ×schottii
Engelm. stammt aus einem Gebiet im Süden der USA bis Nord-Mexiko. Es sind stammbildende Yuccae mit einer ganzen Reihe von Erscheinungsformen, die letztlich dazu geführt haben, dass dieses Taxon wohl am ehesten als ein Hybridkomplex von Y. baccata Torr., Y. elata Engelm. und Y. madrensis Gentry betrachtet werden kann. In diesem Sinne werden auch Y. thornberi McKelvey und Y. arizonica McKelvey gänzlich dem Y. ×schottii Komplex zugezählt.

Yucca thompsoniana Trel. wächst in Texas und Nord-Mexiko (Chihuahua, Coahuila, Nuevo León). Es sind stammbildende Pflanzen mit 1–3 Stämmen bis 260 cm Höhe. Die Blattrosetten sind kompakt, oft asymmetrisch, relativ klein mit eher wenigen linealen Blättern.

Yucca treculiana Carr. stammt aus den südöstlichen USA und Nordmexiko. Es sind Pflanzen, die aufrechte Stämme bilden welche sich nur sporadisch verzweigen und an dessen Enden sich Schöpfe aus steifen, bis 1 m langen, nur wenig oder gar nicht mit Fäden besetzten Blätter befinden.

Yucca valida
stammt aus Kalifornien und Baja Californica. Sie ist eine mehrstämmige, teilweise horstartige Kolonien bildende Art. Das Erscheinungsbild ähnelt einwenig Y. flifera, jedoch durch die ausgeprägte Verzweigungstendenz wirkt Y. valida bizarrer. Das Blatt ist kurz, mit kräftigen, randständigen Fasern besetzt und ist ebenfalls sehr ähnlich Y. filifera. Die Größe kann bis 7 m betragen. Frosttoleranz wahrscheinlich nicht ausreichend für's Freiland.

Referenzen

Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Irish, G. & Irish, M. 2000: Agaves, Yuccas, an Related Plants. A Gardener's Guide. – Timber Press, Portland, Oregon,  312 S.
Thiede, J. 2001: Yucca. In: Eggli., U: Illustrated Handbook of Succulent Plants: Monocotyledons. – Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 87–102.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Yucca. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/yucca.html am Tg.Mo.Jahr.

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