Startseite

Winterharte Yucca-Hybriden
Yucca-Hybriden sind theoretisch zwischen allen Arten möglich. Einige entstehen spontan am Naturstandort, wie beispielsweise Yucca ×schotti Engelm., andere werden manuell gekreuzt. Dies gilt auch für Arten verschiedener Sektionen, die durch unterschiedliche Früchte definiert sind. Ebenso ist die Einteilung in die verschiedenen Serien kein Hindernis für erfolgreiche Kreuzungen. Dies spiegelt sich auch in den molekularen Studien wieder, die gezeigt haben, dass die klassische Unterteilung in Sektionen und Serien nur artefiziell und die Gattung monophyletisch ist, also alle Nachkommen einer Art sind. Mithin deckt sich das mit der doch relativ guten Kreuzbarkeit auch "morphologisch entfernter" Arten.

Das Interessante der Hybriden ist ihr formenreicher Wuchs und die Möglichkeit, wenig winterharte Arten mit robusten Arten zu kreuzen, um die Winterhärte zu steigern oder um das Wachstum unter kühleren Klimabedingungen zu bessern. Bisher sind nur relativ wenige Hybriden in Europa in der Kultur. Am bekanntesten dürfte die Y. ×karlsruhensis Graebn. sein, die wohl die älteste dokumentierte Kreuzung ist und heute noch im Botanischen Garten in Karlsruhe existiert. Auch die häufigen Hybriden aus den Aloifolia-Gloriosa-Recurvifolia- und Flaccida-Filamentosa-Komplexen wären zu erwähnen. Gleichwohl dort die systematische Betrachtung noch nicht hinreichend geklärt ist.

In den letzten Jahren hat es vermehrt Versuche gegeben, winterharte Arten mit empfindlichen Yuccas zu kreuzen. Als winterharte Arten kommen dabei alle langfristig (> 20 Jahre) ohne Schutz erfolgreich in Mitteleuropa im Freiland angebauten Arten in Betracht. Dazu gehören Yucca filamentosa L., Y. glauca Nutt., Y. gloriosa L. und Y. gloriosa var. recurvifolia (Salisb.) Engelm. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass hier J. Thiede (2001) gefolgt und Y. flaccida Haw. als Y. filamentosa betrachtet wird. Letzteres ist das ältere Taxon und beide Arten sind nur marginal voneinander unterscheidbar. Zudem sind morphologische Übergänge mit zahlreichen Merkmalsgemeinsamkeiten zu beobachten. Yucca ×karlsruhensis wird folglich als Kreuzung von Y. filamentosa und Y. glauca gesehen.

Alle voran genannnten Arten sind gut als Elternteile für einen Anbau in Mitteleuropa geeignet, da sie ausgesprochen robust sind und in ausreichend Fällen ihre Winterhärte belegt ist. Hier dürfte das größte Potential für Gartentauglichkiet liegen, wenn man empfindliche Arten einkreuzt. Besonderes Interesse dürfte dabei auf den empfindlichen, stammbildenden "Western-Yuccas" liegen, wenn man diese "winterhärter machen" könnte. Erste kurzfristige Freilandversuche deuten das an, auch wenn man zur Architektur der gekreuzten Pflanzen naturgemäß noch nicht viel sagen kann; zur Gattung Yucca.

Abb. 1 Alter Horst der Yucca ×karlsruhensis im Botanischen Garten Basel, 08.04.2010 Abb. 2 Winterharte Yucca ×karlsruhensis in einem Privatgarten in Runkel, Lahntal, 21.04.2013

Abb. 3 Silbrigblättige Hybride von Yucca filamentosa × glauca in einem Privatgarten in Rheinstetten, 26.10.2006 Abb. 4 Jungpflanze der Yucca filamentosa × glauca mit schon breiteren Blättern als vergleichbare Y. glaucae, 04.05.2014

Abb. 5 Vier etwa 2-jährige Jungpflanzen der Yucca filamentosa × thompsoniana, 16.08.2014 Abb. 6 Vier etwa 2-jährige Jungpflanzen der Yucca filamentosa × elata, 16.08.2014

Abb. 7 Dreifach-Hybride Yucca aloifolia × stricta × baccata in einem Privatgarten in Gols, Neusiedler See, Österreich, 18.09.2014 Abb. 8 Blatt der Yucca aloifolia × stricta × baccata mit gut erkennbaren Merkmalen der Y. aloifolia und Y. baccata, wie Abb. 11, Gols, Neusiedler See, Österreich, 18.09.2014

Abb. 9 Yucca aloifolia × filamentosa Kreuzung, deren Morphologie an die Y. recurvifolia Salisb. erinnert. Privatgarten am Neusiedler See, Ungarn, 19.09.2014 Abb. 10 Laubblatt der Yucca aloifolia × filamentosa, Privatgarten am Neusiedler See, Ungarn, 19.09.2014


Yucca filamentosa × campestris. Viele Erfahrungen mit Yucca campestris McKelvey beim Anbau in Mitteleuropa gibt es nicht. Die wenigen Versuche zeigen, dass die Pflanzen grenzwertig sind und hohe Temperaturen für ausreichendes Wachstum benötigen. Die Hybriden mit winterharten Yucca-Arten versprechen eine bessere Toleranz des mitteleuropäischen Klimas bei gleichzeitig schmalblättriger oder morphologisch ähnlicher Architektur.

Yucca filamentosa × thompsoniana. Kreuzung der gut winterharten Y. filamentosa mit der exotischen, stammbildenden Y. thompsoniana Trel. Letztere wird bisher mit spärlichem Erfolg in Mitteleuropa angebaut und von den zahllosen Plfanzungen dürften nur sehr wenige überlebt haben, wie beispielsweise jene auf dem Stresemannplatz in Düsseldorf. Gleichwohl auch dieser rheinische Pflanzort bisher keine 20 Jahre existiert, um Winterhärte attestieren zu können. Erste (kurzfristige) Erfahrungen mit dieser Hybride deuten eine wesentlich bessere Winterhärte an. Über Morphologie und langfristige Etablierbarkeit lässt sich zur Zeit noch nicht viel sagen.
 
Yucca glauca × [×karlsruhensis]. Beide Arten, besonders letztere, sind ausreichend winterhart in Mitteleuropa, sofern man auf die Standortbedingungen achtet: sonnige und warme Standorte, am besten so trocken wie möglich. Beide Elternteile benötigen eine ausreichend hohe Wärmesumme und sind daher hauptsächlich für Südhanglangen, Rheinschiene oder kontinental betonte, mittleuropäische Lagen geeignet.

Yucca ×karlsruhensis × elata. Kreuzung der winterharten Y. ×karlsruhensis mit der exotischen, stammbildenden Y. elata Engelm. Letztere wurde bisher weitestgehend ohne oder nur mit ausgesprochen mäßigem Erfolg in Mitteleuropa kultiviert. Da die beiden Arten Y. glauca und Y. elata gerne auch spontan miteinander kreuzen, bleibt zu hoffen, dass hier eine Dreifachhybride enstanden ist, die die relativ guten Wuchseigenschaften der Y. ×karlsruhensis und etwas von der eindrucksvollen Architektur der Y. elata miteinander verbindet. Bisher gibt es nur sehr kurzfristige Erfahrungen mit dieser Hybride.

Yucca filamentosa × elata. Von dieser Kreuzung gibt es bisher nur kurzfristige, durchaus vielversprechende Erfahrungswerte. Über Morphologie und Wachstumseigenschaften lässt sich zur Zeit nur sehr wenig sagen. Gut möglich, dass sich von den dekorativen architektonischen Merkmale der Y. elata etwas auf diese Kreuzung überträgt.

Yucca filamentosa × glauca. Hybride mit zwei winterharten Elternteilen. Mit dieser gibt es schon sehr lange Erfahrungen im Freiland, insbesondere mit jener Kreuzung von Graebner die als Y. ×karlsruhensis bekannt ist. Den Hybriden ist gemeinsam, dass sie einen warmen und eher trockenen Standort benötigen. Standortmängel führen meist zu Gedeihstörungen. Stimmen die Bedingungen, so sind im Laufe der Jahre prächtige, meist stammlose Yuccakolonien zu erwarten.

Yucca filamentosa × pallida. Hybride zweier stammloser Arten. Von Y. pallida gibt es eine handvoll erfolgreicher Berichte langfristiger (> 20 Jahre) Anbauerfolge in Mitteleuropa. Sie ist dennoch eher eine heikle Art und mit den Hybriden ist die Erwartung verbunden, hier robustere Pflanzen mit der hübschen Architektur der Y. pallida zu erhalten.

Yucca ×karlsruhensis × arkansana. Interessante Dreifach-Kreuzung der stammlosen oder kurzstämmigen Yucca arkansana Trel. aus den Süd- und Zentral-USA mit der winterharten Y. ×karlsruhensis. Auch hier gibt es noch keine Erkentnisse zur Morphologie älterer Pflanzen. Wahrscheinlich dürfte es sich um fädentragende, horstig wachsende, eher kleinere Yuccae handeln. Die Winterhärte ist aller Voraussicht nach ausreichend, ein warmer, sonniger Standort empfehlenswert.


Abb. 11 Pflanze einer Yucca elata × filamentosa, Privatgarten am Neusiedler See, Ungarn, 19.09.201406 Abb. 12 Pflanze einer Yucca elata × filamentosa, auch hier dominiert Y. filamentosa var. concava (Haw.) Baker, Privatgarten in Gols, Neusiedler See, Österreich, 19.09.2014

Abb. 13 Pflanze einer Yucca gloriosa × elata mit schmalem, fast fadenlosem Blatt, Privatgarten am Neusiedler See, Ungarn, 19.09.2014 Abb. 14 Frisch gepflanzte Yucca ×karlsruhensis in einem Privatgarten in Bad Deutsch Altenburg, Österreich 18.09.2014

Abb. 15 Pflanze einer Yucca angustissima × arkansana in einem Privatgarten in Gols, Neusiedler See, Österreich, 19.09.2014 Abb. 16 Schmalblättrige Hybride von Yucca linearifolia × thompsoniana in einem Privatgarten in Gols, Neusiedler See, Österreich, 19.09.2014

Abb. 17 Pflanze von Yucca recurvifolia × glauca die vorwiegend der Y. recurvifolia ähnelt, Privatgarten am Neusiedler See, Ungarn, 19.09.2014 Abb. 18 Prächtige Yucca ×karlsruhensis in einem Privatgarten in Wuppertal, 15.05.2015


Referenz
Thiede, J. 2001: Yucca. In: Eggli., U: Illustrated Handbook of Succulent Plants: Monocotyledons. – Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 87–102.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Winterharte Yucca-Hybriden – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/yucca-hybriden.html am Tg.Mo.Jahr.

© Tropengarten

info@tropengarten.de