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Quercus L.
Eichen, Fagaceae, Buchengewächse

Bei den Eichen handelt es sich um eine große Gattung etwa 600 verschiedener Arten von immergrünen oder Laub abwerfenden Sträuchern oder Bäumen. Die Sprosse sind unbehaart oder behaart, kräftig mit wechselständigen Blättern und ovalen bis konischen Knospen, oft gruppiert am Ende der Sprosse und mit einer terminalen Knospe. Typischerweise sind die Blätter bei Eichen oft gelappt, teilweise sehr tief gebuchtet, manchmal gezähnt oder glattrandig, meist kurz gestielt. Männliche Blüten erscheinen an hängenden, schlanken, langen Kätzchen. Die weiblichen Blüten werden windbestäubt, stehen zu 1–2 oder mehr in kleinen Ähren.

Herausstechendes Merkmal der Eichen sind ihre Früchte. Je Becher (Cupula) wird eine Eichel gebildet. Meist benötigen sie 1–2 Jahre zur Reife. Die Arten unterscheiden sich teilweise deutlich hinsichtlich der Morphologie ihrer Früchte und sind daher ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Botanisch werden die Eicheln als Nussfrüchte gesehen.

Eichen repräsentieren eine bedeutende Gattung in der Biologie. In Mitteleuropa gehören sie zu den wichtigen Bäumen, sind bedeutsame Waldbildner und haben in Kultur, Bau, Nahrungswirtschaft und Kunst eine herausragende Stellung. Für die Tierwelt sind Eichen ebenfalls von Bedeutung, besonders für die hohe Zahl von Insekten.

Der Gattungsnahme Quercus L. wurde schon im Altertum genutzt, lat. "quercus" bezeichnete Quercus robur, die Stiel-Eiche. Die etymologische Wurzel des Wortes bleibt unklar.

Die große Gattung der Eichen bietet zudem mehr als nur die bekannten, einheimischen Gehölze. Unter Ihnen gibt es sehr harte immergüne Vertreterinnen und solche mit hochdekorativem Blatt. Manche sind nicht fürs Freiland geeignet, andere wiederum nur für die milden Regionen, wenige können auch in den kalten Regionen ausgepflanzt werden. Den meisten Arten ist gemeinsam, dass sie sehr langsam wachsen und erst nach 10 oder mehr Jahren ihre volle Pracht entfalten. Seien Sie also geduldig.


Abb. 1 Gebuchtete Laubblätter der Quercus lusitanica am Naturstandort, Portugal, Naturpark Sintra, 17.10.2009 Abb. 2 Niederliegender, strauchförmiger Ökotyp der Quercus lusitanica, Portugal, Naturpark Sintra, 21.10.2009

Abb. 3 Bronzefarbener Neuaustrieb einer Quercus myrsinifolia im Frühjahr in einem Privatgarten Abb. 4 Rundliche, erlenähnliche Laubblätter der Quercus alnifolia, oberseits flaumig behaart, Kulturpflanze, Privatgarten

Abb. 5 Blüten der Quercus cerris, Arboretum Lilienthal, Kaiserstuhl, 23.04.2014, 48° 04' 19 N 07° 40' 18 O Abb. 6 Sprosse und Laubblätter von Quercus alnifolia, Kulturpflanze in einem Privatgarten

Abb. 7 Blatt der Quercus aucheri mit flaumiger Behaarung auf der Oberseite und stachelspitzig gelapptem Rand, Privatgarten, 28.09.2014 Abb. 8 Zur Korkproduktion genutzte Quercus suber-Pflanzung in den Pyrenäen in Südfrankreich, 12.11.2004



Quercus alnifolia ist eine immergüne Eiche aus Zypern mit dekorativen, rundlichen, erlenartigen Blättern. Zypriotischer Nationalbaum. Sicher hart bis Z 8.

Quercus aucheri Jaub. & Spach. ist eine klein bleibende, immergüne Eiche aus Zypern, Griechenland und Kleinasien, sehr ähnlich der Q. coccifera L., wahrscheinlich hart bis Z 7b.

Quercus brantii Lindl. ist ein Strauch oder kleiner Baum bis 10 m Höhe. Das Verbreitungsgebiet liegt im östlichen Mittelmeerraum, Kleinasien bis Mittlerer Osten. Die Pflanzen sind laubabwerfend oder halbimmergrün, wahrscheinlich hart bis Z 8.

Quercus canariensis
L, die Kanarische Eiche. Architektonisch wertvolle Eiche mit dekorativem Blatt. Die Winterhärte reicht allerdings kaum für Mitteleuropa, Z 8b.

Quercus cerris L, die Zerreiche. Gut harter Baum mit dekorativem Blatt, Z 6.

Quercus coccifera L. ist die kleinste der immergünen Eichen und stammt aus dem Mittelmeerraum. Mit normalerweise maximal 4 m Höhe bleibt sie am Naturstandort relativ klein, kann unter idealen Bedingungen aber auch Baumhöhe bis 15 m erreichen; gut hart bis Z 6/7a.

Quercus ilex L., die Steineiche, ist ausreichend hart für die wintermilden Regionen bis Z 7b. Sie bleibt immergrün und wächst relativ langsam. Nach 20 Jahren erreicht sie in Mitteleuropa eine Höhe von 4 bis 5 m. Daher ist sie, wie viele andere immergrüne Eichen auch, bestens für den kleinen Garten geeignet.

Quercus infectoria L, die Gall-Eiche. Ethnokulturell bedeutende, kleine Eiche aus dem östlichen Mittelmeerraum. Z 6.

Quercus lanata, immergrüne EIchen aus dem Himalaya aus Höhen von 1300 bis 3000 m, mit einer Höhe von 15 m, selten noch mehr. Typischerweise hat Q. lanata ein gezähneltes Blatt, die Winterhärte dürfte für Z 8 ausreichend sein.

Quercus laurifolia stammt aus dem Süden Nordamerikas und kommt im selben Habitat wie Magnolia grandifolia vor. Sie ist laubabwerfend und dürfte bis in Z 7b hart sein. Langfristig angebaute Exemplare stehen beispielsweise im BG Bochum.

Quercus leucotrichophora A. Camus, die Weiße Himalaya-Eiche, ist immergrüner ein Baum bis 24 m Höhe, selten mehr. Ihr Verbreitungsgebiet liegt in den Bergwäldern des Himalaya von Pakistan bis Myanmar, in Höhen von 1.5000–2.700 m über NN, wo die Art ein wichtiger Teil der natürlichen Baumschicht ist und besonders im zentralen Verbreitungsgebiet dominante Baumart der Hartlaubwälder sein kann. Wahrscheinlich hart bis Z 8.

Quercus libani
Olivier, die Libanon Eiche. Strauch oder kleiner Baum bis 8 m Höhe, aus dem östlichen Mittelmeerraum. Z 6.

Quercus lusitanica wächst auf der iberischen Halbinsel und im Norden Afrikas. Am Naturstandort wird, bzw. wurde diese Art intensiv zur Gallenproduktion genutzt. Das Blatt dieser Eiche ist prägnant gelappt. Zudem wächst Q. lusitanica als Strauch, gerne im Unterwuchs, gelegentlich erreicht sie Baumgröße. Die Winterhärte in Mitteleuropa dürfte gegeben sein, ist bisher wohl aber noch nicht ausreichend getestet.

Quercus myrsinifolia gehört zu den härtesten immergünen Eichen und stammt aus Nordamerika. Sie bleibt ebenfalls immergrün, zumeist bis 6 m Höhe, manchmal mehr. Das Laub ist relativ dicht und sie dürfte auch in etwas rauherer Lage auspflanzbar sein. Nehmen Sie jedoch nur kräftige Exemplare zum Auspflanzen. Sehr seltene Eiche, bambusblättrige Eiche.

Quercus myrtifolia bleibt eher buschig, bis 6 m. Sie hat ein sehr dichtes Laub mit sehr elegantem Neuaustrieb. Von amerikanischen Gärtnern wird sie bis Z 8a eingeordnet. Das es bisher kaum Freilanderfahrungen gibt, wäre eine Kübelhaltung vorzuziehen.

Quercus phillyreoides, immergrüne Eiche aus Zentral- und Südjapan, bis 9 m Höhe. Gut resistent gegenüber Pilzinfektionen, Blätter ähnlich der Steinlinden (Phillyrea, Name!), bronzefarbener Neuaustrieb, gute Erfahrungen liegen bis Z 7b vor, dort vollständig hart, wenn als kräftige Jungpflanze ausgepflanzt. Manche Gärtner sagen, dies sei die härteste der immergrüne Eichen.

Quercus polymorpha, oder auch Monterrey-Eiche genannt, stammt aus dem mexikanischen Hochland und wächst im Habitat mit vielen Yucca, Dasylirien und anderen Sukkulenten. Am Naturstandort bis 15 m Höhe, elliptische Blätter. Frosttoleranz nach ersten Erfahrungen ausreichend für Z 8, wahrscheinlich auch Z 7.

Quercus pubescens Milld. stammt aus dem südlichen und mittleren Europa. Mit einigen verstreuten Standorten gibt es auch einheimische Populationen, beispielsweise im Rheinland. Interessant an dieser Eiche ist der bizarre und knorrige Wuchs. Quercus pubescens ist laubabwerfend und bleibt zumeist eher klein. Völlig winterhart.

Quercus rotundifolia ist eine größere immergüne Eiche, bis 8 m und mehr. Mittlerweile wird sie häufig im Mittelmeerraum zu ornamentalen Zwecken gepflanzt. Von den immergrünen Eichen ist es jene, die am schnellsten wächst und wäre gerade aus diesem Grund für unser Klima interessant, da die meisten anderen Arten sehr lange benötigen, bis aus ihnen ansehnliche Exemplare geworden sind. Bisher ist sie allerdings kaum im Freiland erprobt, dürfte aber ein gutes Potential haben, zumindest in den wintermilden Regionen.

Quercus semecarpifolia Sm., die Tintenbaum-Eiche, ist ein (halb-)immergrüner Baum bis 30 m Höhe aus dem Himalaya in Höhen von 2.000–4.000 m über NN. Winterhart bis Z 7, eventuell mehr.

Quercus suber L.,  die Korkeiche, ist an einem geschützten Standort in milden Regionen ausreichend hart. Sie bleibt zumeist immergrün, wächst sehr langsam und man sollte nur kräftige Exemplare zum Auspflanzen wählen, am besten wenn diese schon einen armdicken Stamm aufweisen.

Quercus ×turneri Willd. ist eine Züchtung aus Querus ilex und Q. robur. Es sind immergrüne Bäume bis 15 m Höhe, selten mehr, die in durchschnittlichen Wintern das Laub behalten. Ausreichend winterhart bis Z 7b.

Quercus virginiana, die Lebens-Eiche stammt aus dem Süden Nordamerikas bis nach Mexiko. Sie ist der Staatsbaum von Georgia. Es ist eine große und relativ zügig wachsende immergrüne Eiche mit interessantem Habitus, da die Äste horizontal wachsen. Erste Freilandresultate zeigen eine gute Härte in Z 8, wahrscheinlich auch Z 7.

Ebenfalls vielsprechend sind, bei entsprechender Auswahl der Herkunft:
Q. gilva, aus Japan und China, bis 1.500m Höhe.
Q. glauca, die blaue Japaneiche, wahrscheinlich bis Z 7b
Q. salicina, aus Kapan, Korea und China, bis 900 m Höhe.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Huxley, A., Griffiths, M. & Levy, M. 1999: The New Royal Horticultural Society Dictionary of Gardening. – Band I–IV, Macmillan Reference Ltd., London.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Quercus. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/quercus.html am Tg.Mo.Jahr.

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